Aus: Ausgabe vom 01.12.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Vertrauensbruch

Bislang erfolgten Preiserhöhungen für die Zustellung von Presseerzeugnissen in enger Absprache der Deutsche Post AG mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e. V. (BDZV). Der BDZV ist ein Interessenverband der deutschen Tages-, Sonntags- und politischen Wochenpresse und vertritt die Belange von 281 Tageszeitungen. Die einseitige Aufkündigung der langjährigen Praxis durch die Deutsche Post AG kritisierte der Verband scharf. Der Vorsitzende des BDZV-Vertriebsausschusses, Mario Lauer, erklärte bei der Eröffnung der Konferenz »BDZV-Vertriebsgipfel« am 7. November in Köln:

»Steigende Papierpreise erhöhen den Kostendruck auf die Verlage ebenso wie die regelmäßigen Tarifanpassungen für Angestellte und Redakteure. Die Entwicklung beim Mindestlohn ist vorhersehbar und verschärft den Kostendruck in unseren Zustellorganisationen. Die Preise für die Postzustellung sollen im nächsten Jahr ebenfalls deutlich angehoben werden. Dabei war (…) die Kooperation in der Zustellung mit der Deutsche Post AG über Jahrzehnte hinweg von gegenseitigem Vertrauen und Zuverlässigkeit geprägt. Immer haben wir Preisanpassungen einvernehmlich besprochen und gegenüber der Branche auch kommuniziert. Sicherlich ist es auch immer denkbar, dass einzelne Branchen infolge struktureller Veränderungen kurzfristig in Ertragsnot geraten, wie es derzeit offenbar bei der Deutsche Post AG der Fall ist. Das kann aber kein Grund dafür sein, bestehende Vereinbarungen, wie konkret die Preiszusage einer Steigerung von nur 2,8 Prozent für alle Zeitungen im Jahr 2019, einseitig und ohne Vorankündigung aufzukündigen. Wir erwarten von der Deutsche Post AG, dass sie die derzeit in den Markt gegebenen Preise überdenkt und die für das Jahr 2019 getroffene Vereinbarung einhält.« (jW)

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