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Aus: Ausgabe vom 01.12.2018, Seite 3 / Schwerpunkt
Konzernmacht

junge Welt im Zangengriff

Deutsche Post AG erhöht Preise dramatisch. Gleichzeitig kürzt der Konzern bei der Zustellung und verschärft die Krise der Zeitungsbranche
Von Simon Zeise
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Die Erstellung einer Tageszeitung ist harte Arbeit. Die Deutsche Post AG sabotiert kritische Berichterstattung

Selbst ein Post-Mitarbeiter, der im Unternehmen für die Pressedistribution zuständig ist, hatte eingeräumt, junge Welt sei von dem neuen Preissystem als »extremer Härtefall« betroffen. Er habe deshalb bei höheren Instanzen nachgefragt, ob es die Möglichkeit eines Rabattes oder eines Preisaufschubs gebe. Doch am Konzernsitz in Bonn blieb der Vorstand eiskalt: »Sie können davon ausgehen, dass wir alle wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten geprüft haben«, teilte ein Sprecher auf jW-Nachfrage lapidar mit.

Durch die Preissteigerungen befindet sich die junge Welt im Zangengriff. Der Konzern hat die Zustellpreise seit 2013 um 50 Prozent erhöht. Post-Chef Frank Appel hatte im Juni eine »Gewinnwarnung« ausgegeben. Eine Milliarde Euro zusätzlich werde der Konzern in die Brief- und Paketzustellung stecken müssen. Um die Rendite für die Aktionäre wieder reinzuholen, werde er »effizienz­steigernde Maßnahmen« durchsetzen. Damit meinte er, dass die Kosten für die Kunden in die Höhe getrieben werden. Die Bundesnetzagentur untersagte der Post die Erhöhung des Portos für Standardbriefe von 70 auf 80 Cent jedoch. Der Konzern müsse erst darlegen, was er unter den »effi­zienz­steigernden Maßnahmen« verstehe, teilte die Bundesbehörde im Sommer mit. Geld ist indessen genug da. Mehrere Finanzinstitute prognostizieren, dass das Unternehmen das Geschäftsjahr 2019 mit mehr als 2,8 Milliarden Euro Gewinn abschließen wird.

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Seit 2013 hat die Post die Zustellpreise um 50 Prozent angehoben

Wie alle Unternehmen muss auch der Verlag 8. Mai planen. Für die Geschäftsentwicklung kalkuliert er mit Kostenfaktoren, auch die für das Geschäftsjahr 2019 angekündigte Entgeltanhebung für Pressezustellungen der Deutsche Post AG wurde eingepreist. Bereits im September 2017 hatte das Unternehmen dem Verlag 8. Mai mitgeteilt, dass es die Kosten für die Auslieferung der jungen Welt 2019 um 2,8 Prozent anheben werde. Frühzeitig, damit der Verlag »Planungssicherheit« habe, und als »Grundlage für die vertrauensvolle Zusammenarbeit«.

Doch dann kam der Hammer. Mitte November setzte die Deutsche Post AG den Verlag davon in Kenntnis, dass die Preise ab Januar drastisch angehoben werden. »Mit dem Ziel der Effizienzsteigerung« werde die Preislistenstruktur »angepasst«, hieß es. Die unteren acht Gewichtsklassen bei Printprodukten sollen künftig in eine zusammengefasst und die Preise dadurch stark erhöht werden. Allein durch diese Maßnahme soll der Verlag 8. Mai der Post künftig jährlich 90.000 Euro mehr bezahlen. Dies entspricht einer Preissteigerung von 28,5 Prozent, ohne dass dafür zusätzliche Leistungen erbracht werden. Auf einen Schlag ist die Existenz der jungen Welt bedroht.

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Die Reklamationen der jW-Leser sind 2018 auf mehr als 2.600 angestiegen

Nun hat die Post die Katze aus dem Sack gelassen. Neben einem Aufschlag für die Paketzustellung um 21 Prozent langt sie bei Presseverlagen zu. Gleichzeitig wird die Qualität der Zustellung immer schlechter: Die Zahl der jW-Abonnenten, die sich darüber beschweren, dass ihnen die Zeitung verspätet oder gar nicht zugestellt wurde, ist dramatisch gestiegen. Die Post gefährdet damit die stabile Geschäftsentwicklung des Verlags, weil die Abonnenten die Zeitung immer öfter nicht am Erscheinungstag erhalten. Der Verlag 8. Mai kann zwar durch aufwendige Marketingmaßnahmen neue Leserinnen und Leser finden, viele von ihnen entscheiden sich aber gegen ein Printabo, weil ihr Exemplar nicht tagesaktuell zugestellt wird. Bei den Bestandskunden haben sich die Reklamationen wegen schlechter Postzustellung von 2013 bis 2018 mehr als verdoppelt, ebenso steigt die Zahl von Abbestellungen wegen mangelnder Zustellqualität. Vor diesem Hintergrund wird das Gewinnen neuer Abonnenten deutlich erschwert – aber gerade die werden dringend benötigt, um diese hohen Preise überhaupt bezahlen zu können.

Zeitungen mit hohem Werbeaufkommen bevorzugt die Post hingegen. Gegenüber jW erklärte das Unternehmen, die Preise für schwerere Produkte zu deckeln, was »Potential für zusätzliche Werbeerlöse (z. B. durch Werbebeilagen oder zusätzlichen Content) der Verlage bietet«. Damit ist klar, die Post diktiert die Regeln der Pressefreiheit. Zeitungen sollen im wesentlichen dazu dienen, Werbebroschüren von großen Unternehmen zu ummanteln. Die Post stimmt den Abgesang auf eine Branche an, die sich bereits tief in der Krise befindet.

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