Aus: Ausgabe vom 28.11.2018, Seite 16 / Sport

Schafft auch nicht jeder

Von André Dahlmeyer
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Hier kommt Nummer zehn: Die Spieler von Palmeiras feiern ihre zweite Meisterschaft in drei Jahren und bleiben mit zehn Trophäen Rekordmeister (25.11.)

Einen wunderschönen guten Morgen! Der A. C. Deportivo Lara aus Barquisimeto gewann am Sonntag das Finalrückspiel des venezolanischen Torneo Clausura bei Deportivo La Guaira F. C. mit 1:0 und krönte sich so zum neuen Meister des Clausura. Zu verdanken ist der Erfolg zu großen Teilen dem ehemaligen Juniorennationalspieler Jesús Isaac Hernández Córdova, der sich in den allerletzten Spielsekunden für ein Geschenk des Torhüters Carlos Olses bedankte und zum Meistertor einschoss. Der gerade volljährig gewordene Olses hatte bei einem Rückpass über den Ball getreten und sich so selbst getunnelt. Schafft auch nicht jeder.

Deportivo Lara kickt nun in zwei Finals gegen den Aperturameister (Herbstmeister) Zamora FC um das »Campeonato Absoluto«. Das Hinspiel findet diesen Sonntag in Barquisimeto statt, das Rückspiel am 5. Dezember im Estadio Agustín Tovar von Barinas. Für Lara wäre es nach dem Titel von 2011/12 die zweite venezolanische Meisterschaft. Für die Copa Libertadores 2019 hat sich neben Zamora, Lara und La Guaira auch der Caracas F. C. qualifiziert.

In Brasilien hat die S. E. Palmeiras von Luiz Felipe Scolari wenig überraschend, hochverdient und einen Spieltag vor Saisonende mit fünf Punkten Vorsprung vor Flamengo die Meisterschaft gewonnen und damit den zehnten »Brasileirão« (das bundesweite Campeonat) eingetütet. Dazu reichte ein 1:0 Auswärtserfolg im Estadio São Januário von Rio de Janeiro gegen das von Alberto Valentim betreute Team von Vasco da Gama. Für Palmeiras war es bereits der zweite Meistertitel in drei Jahren. Den einzigen Treffer notierte der kurz zuvor eingewechselte Deyverson Mitte der zweiten Halbzeit. 2016 hatte Palmeiras eine 22jährige Titeldürre beendet, kürzlich stand der Klub gar in den Semifinalspielen der Copa Libertadores, wo die Endstation schließlich Boca Juniors lautete. Mit nunmehr zehn Brasileirão-Trophäen bleibt der Klub Rekordmeister Brasiliens, vor dem FC Santos (acht) und Vorjahresmeister Corinthians (sieben). Alles Klubs aus São Paulo, Rio de Janeiro hat in Brasilien nichts mehr zu melden. Für den 70jährigen Weltmeistertrainer Scolari bedeutet der Triumph das Ende eines Fluchs: Fast ein Vierteljahrhundert musste er warten, bis er nach 1996 (mit Grêmio Porto Alegrense) zum zweiten Mal brasilianischer Meister wurde. Er hat seinen Job exzellent gemacht. Seit er am 5. August den Schleudersessel übernahm, verlor das Team keines der 21 Ligaspiele.

Wenig Neues gibt es bezüglich des Finalrückspiels der Copa Libertadores. Nachdem die Partie in Buenos Aires zwischen den Stadtrivalen Boca Juniors und River Plate am Sonnabend wegen Angriffen von River-Fans auf den Boca-Mannschaftsbus zunächst um 24 Stunden verschoben worden war, wurde daraus anschließend »auf unbestimmte Zeit«. Boca hatte beantragt, das Spiel nur »unter gleichwertigen Bedingungen« auszutragen. Zudem wurde ein Disziplinarverfahren gegen River Plate eingeleitet, das den Klub den Titel (vergleichbar der europäischen Champions League) kosten könnte. Auch eine Austragung des Spiels in einem Drittland wird diskutiert. Die italienische Stadt Genua hatte sich in einem Brief an den von italienischen Auswanderern gegründeten Klub Boca Juniors als Ausrichter angeboten. Wegen der Tumulte werden noch einmal verschärfte Sicherheitsvorkehrungen für den G-20-Gipfel erwartet, der vom 30. November bis 1. Dezember in der argentinischen Hauptstadt abgehalten wird. Das River-Stadion, in dem die Partie hätte stattfinden sollen, befindet sich in der Nähe des Sperrgebiets, zu dem ab Donnerstag kein Normalbürger Zutritt hat. Sicherheitsministerin Patricia Bullrich hatte vor dem Finale selbstsicher erklärt: »Wenn wir einen G-20-Gipfel hier haben, sollen wir nicht ein River – Boca kontrollieren können?«


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