Aus: Ausgabe vom 23.11.2018, Seite 15 / Feminismus

Blumen und Protestbriefe

»Roses Revolution«: Betroffene und solidarische Hebammen gegen Gewalt in der Geburtshilfe

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Hebammen kämpften schon 2010, wie hier in München, für bessere Arbeits- und Geburtsbedingungen

Die »Roses Revolution« ist seit einigen Jahren Teil des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Sie richtet sich speziell gegen Gewalt in der Geburtshilfe, die in vielen Fällen auch von Frauen ausgeübt wird – und sei es aufgrund von Überlastung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht darunter körperliche Misshandlung, tiefe Demütigung und verbale Beleidigung, aufgezwungene oder ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe, Missachtung der Schweigepflicht, Nichteinholung einer bewussten, vollumfänglich informierten Einverständniserklärung, Verweigerung der Schmerzbehandlung, grobe Verletzung der Intimsphäre, Vernachlässigung von Frauen während der Geburt, die zu vermeidbaren lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann – oder im Extremfall die Verweigerung der Aufnahme Hochschwangerer in medizinische Einrichtungen.

Auch in diesem Jahr werden Betroffene unter dem Hashtag #roserev dazu aufgerufen, jeweils eine rosafarbene Rose mit einem erklärenden Brief vor die Kreißsaaltür des Krankenhauses zu legen, in dem diese Behandlung stattfand.

Im »Hebammenblog« räumte die Geburtshelferin Jana Friedrich in einem solidarischen Beitrag zur Roses Revolution 2015 ein: Solche Misshandlungen passieren. »Und das jeden Tag!« Sie wolle dies nicht entschuldigen, aber versuchen zu erklären, wie es dazu kommen kann, obwohl dieser Berufsgruppe eher ein Helfersyndrom nachgesagt wird als etwa Sadismus.

Ein möglicher Grund seien Stellenabbau und Kürzungen: »Vorher gab es einen Kreißsaalarzt, der immer da war und ausschließlich für den Kreißsaal zuständig war. Aber dann wurde er immer häufiger auch auf die Station gerufen, musste zusätzlich gynäkologische Fälle betreuen. (Von der jungen Frau, die die Pille vergessen hatte, bis hin zur Dame aus dem Altersheim, die nach Jahren plötzlich wieder Blutungen bekam.) Dabei mussten wir Hebammen immer wieder assistieren, auch wenn wir parallel dazu Geburten betreuten.«(jW)

www.hebammenblog.de

www.gerechte-geburt.de


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