Aus: Ausgabe vom 15.11.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Es lebe die Revolution!

Zu jW vom 9.11.: »Was nötig ist«

Ja, sie lebe! Und es lebe das tätige Andenken an Rosa und Karl! Aber was habt Ihr Euch dabei gedacht, unter das Titelfoto der Ausgabe zu schreiben: »Unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erhoben sich vor 100 Jahren die Arbeiter und Soldaten in Deutschland«? Die beiden hatten nie diesen Anspruch. Würde Eure Behauptung stimmen, wäre die Sache wohl auch anders ausgegangen. Luxemburg und Liebknecht, Spartakusgruppe und Spartakusbund haben vor und während der Revolution ziemlich klare Vorstellungen davon gehabt, was jeweils hätte geschehen müssen, und nüchtern beurteilt, was tatsächlich passiert ist. Über den tatsächlichen Einfluss des Spartakusbundes auf die revolutionären Ereignisse in Wilhelmshaven, Kiel, Berlin und anderswo gibt es viele Untersuchungen, und es wird keine neuen Erkenntnisse geben, die dazu führen könnten, dass wir Rosa und Karl in einem doch wohl existierenden Revolutionshimmel zurufen müssten: »Seht ihr – ihr hattet doch die Führung, nur gemerkt habt ihr’s damals nicht.«

Dietrich Lohse, per E-Mail

Kämpfer für die Konzerne

Zu jW vom 10./11.11.: »Große Zukunft«

Ich befürchte, dass wir uns bereits mitten im »Vormerz« befinden und sich damit die denkbar schlechtesten Aussichten für eine soziale und friedliche Zukunft hierzulande abzeichnen. Anders als seine beiden Konkurrenten forciert der wirtschaftsliberale Frontkämpfer für Konzerninteressen Friedrich Merz nicht nur vorrangig seine persönliche Karriere, sondern hat wohl die weitestgehenden Absichten einer rigorosen gesellschaftlichen Umwälzung im Interesse seiner »Sponsoren«. Dafür wurde er von langer Hand über Atlantikbrücke und Wirtschaftsverbände »angeschäublet«, und daran arbeiten auch bereits hochkarätige Netzwerke im Hintergrund mit Hochdruck. Und die Qualitätsmedien werden schon dafür sorgen, dass ihm seine lukrativen Posten und Einnahmen nicht zu übel genommen werden, auch wenn diese keinesfalls auf einen Bierdeckel passen.

Dieter Reindl, Nürnberg (per Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Raus aus der NATO!

Zu jW vom 12.11.: »Kriegstreiber feiern Frieden«

Bis zum Erbrechen hören und lesen wir in diesen Tagen die salbungsvollen Worte aus Paris gegen »Isolationismus und Nationalismus«, als seien das die Ursachen des Ersten oder gar auch des Zweiten Weltkrieges gewesen. Am Anfang beider Kriege standen aber doch hochgerüstete Militärblöcke! 1914 die »Mittelmächte«, das Deutsche Kaiserreich und die Habsburger-Monarchie Österreich-Ungarn, denen sich bald Bulgarien und das Osmanische Reich anschlossen, und auf der Gegenseite die Entente, das Bündnis der Französischen Republik mit dem russischen Zarenreich und Großbritannien; im Zweiten Weltkrieg standen 1939 (…) die faschistischen Staaten Deutschland und Italien sowie Ungarn den »westlichen Demokratien« Frankreich und Großbritannien gegenüber, also keine Spur von »Isolationismus und Nationalismus«. Um es auf den Punkt zu bringen: »Europa« ist heute keineswegs friedlich vereint und kann das nicht sein, solange der US-geführten NATO – dem aktuell gefährlichsten Militärblock, der sich immer weiter nach Osten und Südosten vorschiebt – ein abwehrbereites Bündnis von Russland und Belarus, mit China im Hintergrund, gegenübersteht. »Frieden« ist nur ein schönes Wort, wenn anschließend über gemeinsame Rüstungsanstrengungen von NATO und EU geredet wird! Deshalb muss Deutschland, um zu überleben, raus aus der NATO und die NATO raus aus Deutschland – vor allem alle US-Stützpunkte! Auf ihre von manchen Linken angestrebte Selbstauflösung kann man keinesfalls warten! Die NATO probt munter drauflos den Ernstfall – in Nordnorwegen, in der West- und Südukraine und in Georgien! Abrüsten statt aufrüsten! Deutschland muss vorangehen!

Volker Wirth, Berlin

Erschüttert und fassungslos

Zu jW vom 12.11.: »Ein ungestümes Leben«

Für mich gehört die Autobiographie von Mikis Theodorakis »Die Wege des Erzengels« von 1995 immer noch zu den Büchern, die mich am meisten berührt haben. Als er aber an der nationalistischen Mazedonien-Kundgebung vom 4. Februar 2018 auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen unter dem Motto »Makedonien bedeutet Griechenland« als Hauptredner teilnahm, sagte er: »Ich bin ein Patriot, Internationalist, und ich kämpfe gegen Faschismus und seine gefährlichste Art, den linken Faschismus.« (…) Nach seinen damaligen Aussagen kann man nur noch enttäuscht und fassungslos sein. Eine anarchistische Gruppe schrieb folgende Parole an sein Haus: »Deine Geschichte begann in den Bergen und endet in der nationalistischen Gosse.« Die Rede von Mikis Theodorakis wird vielen in Erinnerung bleiben und ist Ausdruck des aktuellen Diskurses des kirchlich-rechten (…) Blocks.

Clemens Glismann, per E-Mail

Keine Toleranz gegenüber Rechten

Zu jW vom 12.11.: »Grabkerzen und Jagdparolen«

Dass hier im Lande etwas gewaltig »faul« ist, lässt sich beim besten Willen nicht übersehen! Eine Justiz, die am 9. November und nun gar zum 80. Jahrestag des Pogroms gegen die Juden mindestens fünf Neonazimärsche zulässt, demgegenüber aber engagierte Menschen der von der Politik ach so geforderten »Zivilgesellschaft« ständig kriminalisiert und mit fadenscheinigen Vorwürfen verfolgt, hat ihre dunkelbraune Vergangenheit noch immer nicht verarbeitet und agiert mittelbraun weiter! Von solch einer Justiz (auch Politik) muss ich mir nicht erklären lassen, was Demokratie wirklich ist! Mit Toleranz hat dies nun tatsächlich nichts mehr zu tun, sondern mit der Tolerierung neofaschistischer Ideologien! (Juristendeutsch: Unterstützung einer kriminellen Vereinigung!)

Irmela Mensah-Schramm, per E-Mail

»Frieden« ist nur ein schönes Wort, wenn anschließend über gemeinsame Rüstungsanstrengungen geredet wird! Um zu überleben, muss Deutschland raus aus der NATO und die NATO raus aus Deutschland!

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