Aus: Ausgabe vom 10.11.2018, Seite 1 / Ausland

Hunderttausende Tote

Nordamerikanische Wissenschaftler legen Studie zum »Krieg gegen den Terror« vor

RTR1L3LS.jpg
Stiller Protest mit Opferzahlen: Alicia Casilio am 11. Januar 2007 in Boston

Seit Beginn des »Krieges gegen den Terror« der USA sind in Afghanistan, Pakistan und im Irak einem Bericht US-amerikanischer Wissenschaftler zufolge rund eine halbe Million Menschen getötet worden. In der am Donnerstag veröffentlichten Studie des Watson-Instituts für internationale und öffentliche Angelegenheiten der Brown-Universität in Providence wird die Opferzahl mit zwischen 480.000 und 507.000 angegeben. Unter den Toten sind demnach Aufständische, Zivilisten, Polizisten, andere Sicherheitskräfte sowie Soldaten aus den USA und verbündeten Staaten.

Im Vergleich zum letzten Bericht vom August 2016 sei die Zahl der Toten um mehr als 110.000 gestiegen, erklärte die Universität. Das zeige, wie »intensiv« der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 vom damaligen Präsidenten George W. Bush gestartete und unter Barack Obama und Donald Trump fortgeführte »Krieg gegen den Terror« nach wie vor sei – auch wenn er von der US-Öffentlichkeit, von Medien und Politikern häufig kaum mehr beachtet werde. Die Zahl der Opfer könne zudem noch viel höher liegen, räumte Studienautorin Neta Crawford ein. So seien bei der Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul und anderer Städte von der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) möglicherweise Zehntausende Zivilisten getötet worden.

Tatsächlich gehen andere Studien von deutlich höheren Zahlen aus. So wurden im Irak nach Angaben des Watson-Instituts zwischen 182.272 und 204.575 Zivilisten getötet. Dagegen ging eine 2015 von der internationalen Ärzteorganisation IPPNW publizierte Studie bereits von rund einer Million Opfern in den ersten zehn Kriegsjahren aus. Für Afghanistan zählt die Untersuchung aus Providence 38.480 Getötete, IPPNW kam für den Zeitraum bis 2016 auf über 200.000 Opfer. In Pakistan ermittelten die US-amerikanischen Wissenschaftler 23.372 getötete Zivilisten, die Schätzungen von IPPNW lagen schon Ende 2013 mehr als doppelt so hoch. (AFP/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Ausland