Aus: Ausgabe vom 09.11.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Baller, baller, klirr

Youtube-Kanal der Bundeswehr

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Gesprungenes Glas: Haltestellenwerbung der Bundeswehr

Eine Straßenbahnhaltestelle am Mittwoch abend in Berlins Prenzlauer Berg. Die Werbetafel wirkt von weitem ungewöhnlich milchig, beim Näherkommen wie von einem feinen Spinnennetz überzogen, ganz nah betrachtet ist klar: Ein Stein ist durch die Glasscheibe geflogen. Nach stinklangweiligen Youtube-Videos über Frischfleisch in der deutschen Truppe schaltet die Bundeswehr-PR nun einen Gang hoch: Dschungelkämpfer des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sind die neuesten Protagonisten. Mit ihnen wird neues Kanonenfutter gesucht. Sie rennen im Flecktarn mit Sonnenbrille und dicker Knarre durch tropische Wälder, werden nur mit Vornamen benannt, und wenn sie einen O-Ton von sich geben sollen, schwäbeln sie durch ihre Vermummung hindurch. Parallel hat auch Bild eigene Bewegtbilder über »Das geheime Ausbildungslager der Bundeswehr« ins Netz gestellt. Diese Rambo-Ästhetik, in aller Öffentlichkeit auf Großplakaten präsentiert, gefällt nicht jedem. Aber zumindest können sich Berlins Glaser freuen. (mme)


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