Aus: Ausgabe vom 27.10.2018, Seite 4 / Inland

Kopf zwischen Knie und Asphalt

Journalist wirft Bonner Polizeibeamten Gewalttätigkeit und Rassismus vor

Von Claudia Wangerin
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Standbild aus dem Video des Augenzeugen

Das Video, das ein Augenzeuge der Festnahme des freien Journalisten Marvin Oppong in Bonn angefertigt hat, zeigt den 36jährigen minutenlang von mehreren Polizeibeamten auf den Asphalt gedrückt, nahezu bewegungsunfähig auf dem Bauch liegend. Die Beamten knien zum Teil auf ihm – und er schreit immer wieder »Hilfe« und »Aua« sowie »Ich bin unschuldig«. Die Aufnahme vom 2. Mai dieses Jahres ist bald ein halbes Jahr alt; das Nachspiel ist in vollem Gange. Zum einen tut Oppong der damals auf den Rücken gedrehte Arm immer noch weh: »Ich bin seither eingeschränkt«, sagte er am Freitag im Gespräch mit junge Welt. Die gewalttätige Festnahme sei in die Länge gezogen worden, um ihn zu quälen. Ein Polizist habe ihm sein Knie mit vollem Gewicht auf den seitlich auf dem Asphalt liegenden Kopf gedrückt. Zum Glück seien wenigstens die Schürfwunden in seinem Gesicht ohne Narben abgeheilt. Zum anderen hat Oppong im vergangenen Monat einen Strafbefehl über 100 Tagessätze à 30 Euro erhalten. Dabei ist vom ursprünglichen Tatvorwurf gar nicht mehr die Rede.

Oppong hatte seinerzeit einen Verkehrsunfall mit einer Verletzten beobachtet, an dem ein Streifenwagen der Polizei beteiligt war. Weil er am Unfallort Aufnahmen gemacht hatte, war er zunächst als Gaffer verdächtigt worden. Er habe sich als Journalist zu erkennen gegeben, damit aber das rabiate Vorgehen der Beamten nicht verhindern können. Nach Sichtung der Speicherkarte, die keine Bilder des Unfallopfers enthielt, sei der Vorwurf »Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen« aber fallengelassen worden, betonte Oppong gegenüber jW. Das Amtsgericht erließ den Strafbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen »Widerstands und tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung«. Angeblich hatte ein Beamter eine Schürfwunde am Unterarm und eine Polizistin nach der Auseinandersetzung eine Prellung am Schienbein. Das könnten sie sich laut Oppong auch selbst zugezogen haben.

Allerdings hat auch Oppong Strafanzeige erstattet. Ermittelt werde zur Zeit gegen acht Polizisten, so der Afrodeutsche, der den Beamten auch Rassismus vorwirft. Im Sicherstellungsprotokoll für die Speicherkarte sei er als »angeblicher Journalist« bezeichnet worden. »Die hätten mich einfach mal googeln können«, so Oppong, der bereits Medienpreise wie den Grimme-online-Award und ein Recherchestipendium der Otto-Brenner-Stiftung gewonnen hatte. Aber er kenne das: Als Journalist nicht ernst genommen zu werden, wenn man schwarz sei. Seinen Personalausweis hätten die Einsatzkräfte zunächst gar nicht sehen wollen, sondern erst auf der Wache.

Gegen den Strafbefehl legte Oppong Rechtsmittel ein. Ermittlungen gegen die Fahrerin des Unfallstreifenwagens wegen fahrlässiger Körperverletzung seien inzwischen nach Paragraph 153 StPO eingestellt worden – also wegen Geringfügigkeit und weil »kein öffentliches Interesse« bestehe.


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