Aus: Ausgabe vom 23.10.2018, Seite 14 / Feuilleton

Manchmal traf es die Falschen

Von Rafik Will
Zu_Besuch_in_der_Aus_55945706.jpg
Unterlagen der Staatssicherheit in Brandenburgs einziger Stasi-Unterlagenbehörde in Frankfurt (Oder), 2018

Wie sich doch alles ändert! Mareike Maage hat aus dieser Binse ein schönes Feature gestrickt. In »Sieben Trappen – ein deutsches Panorama« (DKultur/RBB 2016; Di., 20 Uhr, NDR Kultur) besucht sie ihr altes Heimatdorf und checkt ab, was sich an Bewohner- und Infrastruktur getan hat in den letzten Jahrzehnten. Wo sich viel, aber immer noch zuwenig geändert hat, weiß Christine Auerbach, denn sie hat sich mit der Reform der Gesetzgebung zu sexualisierter Gewalt beschäftigt: »Nein heißt nein – warum es auch nach der Änderung der Gesetze so schwer ist, gegen sexuellen Missbrauch vorzugehen« (BR 2017; Mi., 0 Uhr, DLF Kultur).

Eine Art feministischer Selbstfindungsstory bringt Max Ophüls mit seiner Adaption von Arthur Schnitzlers  »Berta Garlan« (SWF 1956; Mi., 21 Uhr, HR2 Kultur) ins Radio. Auf DLF Kultur laufen ab 21.30 Uhr die Friederike-Mayröcker-Stücke  »Anamnese – Erinnerungen an eine Vorgeschichte« (SDR/RB 1970) und  »Message comes« (RB 1972). Unbedingt anhören sollte man auch die neue Doku von Heike Otto,  »Täter, die keine waren – über die Aufarbeitung einer verdrehten Stasi-Geschichte« (BR 2018; Ursendung Mi., 22 Uhr, SWR 2). Das ARD-Radiofeature beschäftigt sich mit der Frage, wie die Auseinandersetzung mit vermeintlichen Stasi-Spitzeln manchmal die Falschen traf – und wie schwer es war und ist, verkehrte Vorwürfe zu entkräften.

Mit der Frage, was passieren würde, wenn ein untoter Hitler sich mit Dracula zusammentut, um nach der Weltherrschaft zu greifen, hat sich Jörg Buttgereit im Krimihörspiel »Captain Berlin vs. Dracula« (WDR 2006; Do., 23 Uhr, WDR 1Live) auseinandergesetzt. Herausgekommen ist ein wunderbar trashiges Fantasy-Hörspiel.

Eine dramatische Story über Flucht und Migration bringt Giuseppe Catozzella ins Radio. In »Sag nicht, dass du Angst hast« (SRF 2018; Ursendung Fr., 20 Uhr, SRF 1) versucht eine somalische Olympiateilnehmerin, nach Europa zu kommen. Und unter der Lupe von Almut Schnerrings und Sascha Verlans großformatigem  »Die Rosa-Hellblau-Falle – eine lange Nacht der Geschlechterrollen« (DLF/DLF Kultur 2018; Ursendung Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und Wdh. 23 Uhr, DLF) schmilzt die Selbstherrlichkeit biologistischer Welterklärungsversuche dahin wie polares Eis unter der Sonne des 21. Jahrhunderts.

Nicht verpassen sollte man die Hörspielbearbeitung von Erich Maria Remarques Klassiker »Im Westen nichts Neues« (RB 2014; Sa., 15 Uhr, Bayern 2) und den genuinen Feature-Klassiker »Hörbild über den Kamienna-Prozess in Leipzig« (NWDR 1949; Sa., 18 Uhr, DLF Kultur) von Peter von Zahn. Unverpassbarer ist nur Irmgard Keuns »Das kunstseidene Mädchen« (Rundfunk der DDR 1975; So., 17 Uhr, SR2 Kulturradio).

Heiße Tips sind auch die Sendungen »Lesung Gefährliche Orte: Unterwegs in Kreuzberg« (Mo., 14 Uhr, FSK) – eine kritische Betrachtung polizeilicher Sonderbefugnisse – und »Mit Linken reden« (Mo., 20 Uhr, FSK). Letztere untersucht linke Strategien zum Umgang mit der Digitalisierung. Und wer sich nach einer neuen Radioserie sehnt, findet hoffentlich Erfüllung in der Pilotfolge von Frank Witzels Städteplanungsepos  »Stahnke« (BR 2018; Ursendung Teil 1/15; So., 15 Uhr, und Mo., 20 Uhr, Bayern 2). Auch interessant: Sebastian Büttners »Der Putsch. Teil zwo« (WDR 2018; Ursendung So., 19 Uhr, WDR 3) mit Support von Wolfgang Wendland und Die Kassierer.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Feuilleton