Aus: Ausgabe vom 11.10.2018, Seite 2 / Inland

»Herbst der Solidarität«

»Unteilbar« am Sonnabend in Berlin. 40.000 Demonstranten erwartet

Von Marc Bebenroth
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»Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung« spricht sich auch Schauspieler Benno Fürmann (r.) aus

Für die Großdemonstration am Sonnabend in Berlin rechnen sowohl die Polizei als auch die Planungsverantwortlichen mit rund 40.000 Teilnehmern. Dies hat die Pressesprecherin von »Unteilbar«, Anna Spangenberg, am Mittwoch in Berlin mitgeteilt. Gemeinsam rufen die Organisatoren damit den »Herbst der Solidarität« aus und wollen gemeinsam ein Zeichen für ein soziales Miteinander sowie gegen Ausgrenzung und Rassismus setzen, erklärte Spangenberg.

»Man merkt, dass viele Menschen aufwachen«, sagte Naika Foroutan, Direktorin des Berliner Instituts für Migrationsforschung. Angesichts der faktisch sinkenden Migrationszahlen, die sich »deutlich unterhalb« der von der Bundesregierung festgelegten »Obergrenze« befinden, sei der instrumentalisierende Charakter rechter Scheinargumente deutlich wahrzunehmen. Foroutan mutmaßte zudem, dass größere Teile der Bevölkerung »aus der Schockstarre erwacht« seien, da ein Aufstieg der Rechten womöglich den größeren Identitätsverlust bedeuten würde. Laut der Institutsleiterin herrsche ein »Klima der Menschenverachtung«, das sich praktisch gegen die Pluralität als solche richte. Dem gelte es, etwas entgegenzusetzen.

Konkret gehe es den teilnehmenden Organisationen unter anderem um die soziale Frage und um die Verteidigung grundlegender Bürger- und Menschenrechte. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, nannte am Mittwoch zwei Gründe für die Teilnahme am »Unteilbar«-Bündnis. Erstens sei die Bundesrepublik sozial »noch nie so gespalten, noch nie so geteilt«, weshalb es Solidarität mehr denn je brauche. Zweitens habe das stark veränderte soziale Klima Menschen in der BRD verunsichert (Versorgungssicherheit im Alter, Pflege von Angehörigen). »Rassistische Demagogen« zehren laut Schneider von dieser Verunsicherung.

Auch der Schauspieler Benno Fürmann (»Babylon Berlin«) hat am Mittwoch eine sozialpolitische Erklärung abgegeben. »Wir müssen uns ganz dringend angewöhnen, wieder mehr miteinander zu reden«, sagte Führmann angesichts der zunehmenden Vereinzelung in der Gesellschaft. Die Zeit des Dagegenseins »sollte vorbei sein«. Es brauche jetzt eine »Zeit des proaktiven Miteinanders«, schloss der Schauspieler sein Plädoyer für mehr Empathie und soziale Gerechtigkeit.


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