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09.09.2018, 10:53:26 / Inland

Gemeinsame Front

Vertreter kommunistischer Parteien aus aller Welt prangerten in Dortmund imperialistische Politik an

Von André Scheer, Dortmund
Gegen Krieg und Faschismus: Esther Bejarano und die Microphone Mafia am Samstag auf der Hauptbühne
Bücherstand der jungen Welt auf dem UZ-Pressefest

Esther Bejarano lässt sich nicht unterkriegen. Die körperlich kleine Antifaschistin mit der großen Stimme ist zwar inzwischen deutlich über 90 Jahre alt, doch auf der Hauptbühne des UZ-Pressefestes fesselte sich am Samstag abend erneut Hunderte Zuhörer, als sie gemeinsam mit den Rappern von »Microphone Mafia« alte und neue Lieder gegen Krieg und Rassismus sang. »Wir haben euch etwas wichtiges mitzuteilen, also hört gut zu«, rief sie den Menschen vor der Bühne zu. Ihr kommt es auf die Botschaft an, denn - wie sie immer wieder betont - sie will erst aufhören zu singen, wenn es keine Nazis mehr gibt.

Vor ihrem Auftritt war die Hauptbühne Schauplatz einer der zentralen Veranstaltung des Pressefestes gewesen. Bei der Kundgebung unter der Losung »Abrüsten statt aufrüsten - Raus aus der NATO, Frieden mit Russland« versammelten sich die Repräsentanten von über 30 ausländischen kommunistischen Parteien auf der Bühne und demonstrierten so ihre gemeinsame Entschlossenheit, gegen den Imperialismus Front zu machen. Der Vertreter der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) erinnerte in seinem Redebeitrag daran, dass der Westen der damaligen sowjetischen Führung 1990 garantiert hatte, den Einflussbereich der NATO nicht nach Osten auszudehnen. Es sei ein Versäumnis Michail Gorbatschows gewesen, damals nicht auf die Blockfreiheit des wiedervereinigten Deutschlands bestanden zu haben. Nun sei es Aufgabe der deutschen Bevölkerung, sich nicht für eine aggressive Politik missbrauchen zu lassen. Deshalb begrüßten die russischen Kommunisten den Aufruf »Abrüsten statt aufrüsten«, unter den die DKP in den vergangenen Monaten fast 30.000 Unterschriften gesammelt hat.

Der frühere DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz würdigte die Friedenspolitik der DKP und der SDAJ, deren Wirken er als parteiloser Kommunist seit Jahrzehnten verfolge. Auch er forderte eine Entspannung der Beziehungen zu Russland und erinnerte daran, dass noch heute alljährlich Hunderttausende Menschen am 9. Mai, dem Tag des Sieges der Sowjetunion über den deutschen Faschismus, an ihre bei der Verteidigung der Heimat um Kampf um die Befreiung Europas gefallenen Angehörigen erinnern. Es sei nicht hinnehmbar, dass es heute eine deutsche Regierung wage, Russland »bestrafen« zu wollen und Sanktionen gegen Moskau verhänge.

Ebenfalls das Wort ergriffen die SDAJ-Vorsitzende Lena Kreymann und DKP-Chef Patrik Köbele, die an ihre gemeinsame 50jährige Geschichte erinnerten. 1968 waren sowohl die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend als auch die Deutsche Kommunistische Partei gegründet worden.

Insgesamt beteiligten sich an dem dreitägigen Fest im Dortmunder Revierpark Wischlingen erneut mehrere zehntausend Menschen. An unzähligen Ständen gab es Bier, Speisen, Bücher, Souvenirs und politisches Material. Auf mehreren Bühnen gab es parallel ein umfangreiches Musikprogramm, während Diskussionsrunden zu allen aktuellen Themen ihr interessiertes Publikum fanden.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

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