Aus: Ausgabe vom 10.09.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Passend zum Klima

Zu jW vom 1./2.9.: »Schlafmütze des Tages: Jean-Claude Juncker«

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat entschieden, nur noch Sommerzeit zu wollen, damit die Zeit zum Klima passt. (…) Aber eine Onlineumfrage, wie sie zur Sommerzeit angestellt wurde, kann nicht repräsentativ sein, da nicht alle über Internet verfügen. (…) Es kann nicht garantiert werden, dass alle, die an dieser Umfrage teilnehmen wollten, das tatsächlich konnten. Wieso wird also von einem popligen Umfrageergebnis wie von einer Abstimmung berichtet? (…)

Axel Georges, per E-Mail

Gehirn und Därme

Zu jW vom 1./2.9.: »Völkische Mobilmachung«

Wenn dieser »Geschichtslehrer« Björn Höcke 500 oder auch nur 150 Jahre in die Vergangenheit blicken würde (könnte?), wüsste er, dass Europäer in dieser Zeit nicht nur die wanderungsaktivste Menschengruppe waren, sondern auch die, die bei ihrer Expansion über den Erdball am brutalsten vorgegangen ist. Wenn er aber gleich 100.000 Jahre Vergangenheit kennen würde, wüsste er, dass seine Vermutung, Afrikaner seien besonders wanderungsaktiv, sogar stimmt, nur müsste er dann zugeben, dass auch seine eigenen Vorfahren Afri­kaner waren. Einer, der sich »Geschichtslehrer« nennt und der, um die Gegenwart zu beurteilen, noch nicht einmal 150, geschweige 500 Jahre oder gar weiter in die Vergangenheit blicken kann, ist wie ein Arzt, der Gehirn und Gedärme nicht unterscheiden kann.

Ortwin Zeitlinger, per E-Mail

Subjekt statt Masse

Zu jW vom 5.9.: »Die Masse hat das Wort«

Der Beitrag (…) über die Initiative »Aufstehen« ist mit »Die Masse hat das Wort« überschrieben. Beim Lesen fragte ich mich: Wer ist eigentlich mit dem Wort Masse gemeint? (…) Die Bedeutung »revolutionärer Teil der Bevölkerung« passt bei dem sanft reformorientierten Aufruf nicht. Eine andere Bedeutung, die der Duden kennt, nämlich, dass die Masse ein großer Bevölkerungsteil ist, welchem individuelles, selbständiges Denken und Handeln fehlt, ist in dieser linken Zeitung auszuschließen. Beim weiteren Lesen kam mir eine weitere Frage. Warum erwähnt Frau Wangerin, dass die »frühere Kommunistin Wagenknecht zwar in neueren Interviews« die DDR »scharf kritisiert hatte, aber bisher nicht als ›Unrechtsstaat‹ bezeichnen wollte«? Ich lese die junge Welt gerne, schätze die Zeitung als Sozialist. Und wie ich die jW kennengelernt habe, bin ich (…) der Ansicht, dass gewusst wird, dass »Aufstehen« unzufriedenen, vor allem lohnabhängigen und sozial benachteiligten Menschen eine Stimme, Austausch und Wirkungsmacht geben möchte, welche diese nur eingeschränkt oder gar nicht in den linken Parteien oder politischen Institutionen finden. Es geht also um ein »Subjekt«, nicht um »Masse«. Masse ist im Alltagsbewusstsein negativ besetzt. (…)

Werner Kuhns, Oldenburg

Wenig Chancen

Zu jW vom 6.9.: »Am Tisch der Herrschenden«

Die Autorin kritisiert zutreffend, dass die Linke sich »erfolgreich« vom Linkssein »emanzipiert«, um in die Reihen der »westlichen Wertegemeinschaft« aufgenommen zu werden. Doch es steht hier m. E. zu isoliert von allem anderen »im Raum«. Hat doch etwa zur gleichen Zeit auf dem Leipziger Parteitag etwas stattgefunden, was der Vorsitzende der Partei Die Linke als »Zäsur« bezeichnet hat – und er meinte das lobend! –, nämlich die Nichtannahme einer Vorlage von Wolfgang Gehrcke und anderen zur positiven Rolle Russlands in der heutigen Weltpolitik und zum Verständnis der russischen Interessen. »Unerwünscht!« Also bewegt sich Die Linke noch viel breiter in Richtung des »Mainstreams«, in Richtung NATO-Ostfeldzug, Krieg gegen Iran usw. Hier ordnet sich die »staatsräsonal« veränderte Haltung gegenüber Israel – dessen Sicherheit »über alles« gehen soll, egal welche Untaten die rechte Regierung begeht – und Palästina »nur folgerichtig« ein.

Übrigens gibt es keine »Grenze« zwischen Israel und dem Gazastreifen. Denn dort müsste dann ja das Handeln eines anderen Staates, nämlich Israels, enden – und das tut es nicht. Es gibt eine Waffenstillstandslinie von 1967, über welche hinweg Israels Armee permanent Anpflanzungen und Sommerhütten zur Nutzung des auf der »Gaza-Seite« angrenzenden Landes durch dort eingepferchte arabische Bauern abbrennt bzw. zerstört. Auch die mehr als 140 erschossenen friedlichen Demonstranten wurden auf der »Gaza-Seite« der Linie getötet – »vorbeugend« gewissermaßen! Die Flugdrachen und Ballons mit Brandsätzen, die aus Gaza in Richtung Sderot fliegen, sind da »spiegelbildlich« etwa das, was die »IDF« schon immer praktizieren. Aber wenn es Israel tut, ist es »Terroristenabwehr«, wenn es die Bewohner des laut Anthony Blair »weltgrößten Freiluftgefängnisses« tun, ist es natürlich als Terror zu verurteilen. Meint offenbar die Mehrheit in der Linken.

Wie sich »Aufstehen« in dieser Frage positioniert, hängt wohl auch davon ab, ob wir die Sammlungsbewegung zur Verbreitung der Wahrheit über den Imperialismus des Westens und seiner nahöstlichen Ableger nutzen können. In der Partei Die Linke nimmt, wie richtig beschrieben, der Kampf gegen »linken Antisemitismus« gerade Fahrt auf, da gibt es wenig Chancen für internationale Gerechtigkeit und Wahrheit.

Volker Wirth, Berlin

Vater aller Probleme

Zu jW vom 7.9.: »Brandstifter legt nach«

Horst Seehofer hat jüngst erklärt, die Migration sei die Mutter aller Probleme. Doch diese ist etwas ganz anderes. Vor der Migration kommen die Kriege, und vor den Kriegen kommen die Waffenexporte. Deutschland und China streiten im bunten Wechsel um den dritten und den vierten Platz der größten Waffenexporteure der Welt. Aus Bayern kommt der Löwenanteil der deutschen Waffenexporte. Und Bayern hat bekanntlich einen Vater. Also, Horst Seehofer, nun tun Sie bitte endlich einmal etwas mehr zur Lösung des Migrationsproblems, als ständig neue Tricks zu ersinnen, wie man die Leute wieder los wird!

Otfried Schrot, Ronnenberg

In der Partei Die Linke nimmt der Kampf gegen »Antisemitismus« gerade Fahrt auf. Da gibt es wenig Chancen für internationale Gerechtigkeit und Wahrheit.

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