Aus: Ausgabe vom 07.09.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Balken im Auge

Interview | Do., 8.10 Uhr, DLF

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Leider muss Unionspolitiker Norbert Röttgen dem Aufmarsch gegen die letzte Enklave seiner geliebten Halsabschneider in Idlib machtlos zusehen – oder steckt doch noch etwas im Busch?

Wann immer Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, zum Thema Syrien befragt wird, kann man in etwa dasselbe hören. So auch zur bevorstehenden Offensive gegen Idlib im Deutschlandfunk. Einmal mehr klagt der CDU-Politiker über die Ohnmacht der EU, die dem Geschehen nur tatenlos zusehen könne, über die Unzuverlässigkeit der USA, die es versäumt hätten, der Regierung in Damaskus rechtzeitig ihre vermeintlichen Giftgasangriffe heimzuzahlen, und selbstverständlich über Russland und den Iran, die in das von der westlichen Welt geschaffene »Vakuum« vorstießen und nun ihre eigene Agenda durchbombten. Zwar geißelt Röttgen die Aktivitäten der Türkei in ihrem Nachbarland als »völkerrechtswidrig«. Aber den Balken im eigenen Auge bemerkt er nicht: dass es die westliche Regime-Change-Politik war, die Syrien ins Chaos stürzte, und auch Deutschland ohne Rücksicht auf internationales Recht von Anfang an im Machtkampf um das nahöstliche Land mitgemischt hat. (jt)

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