Aus: Ausgabe vom 06.09.2018, Seite 8 / Ansichten

Werteverteidiger des Tages: Manfred Weber

Von Simon Zeise
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Seit 14 Jahren sitzt ein Bayer in Brüssel. Im nächsten Jahr könnte sich das antrainierte Sitzfleisch für Manfred Weber ausgezahlt haben. Dann will sich der heutige Fraktionsvorsitzende der europäischen Volkspartei im EU-Parlament zum Kommissionspräsidenten ernennen lassen. Gewählt wird der Boss der Brüsseler Wirtschaftsbehörde nicht, im EU-Rat wird ein Kandidat ausgekungelt, das EU-Parlament darf die Personalie abnicken.

Weber hat sich viel vorgenommen. Die Europawahl 2019 entscheide über die Zukunft der EU, sagte er am Mittwoch in Brüssel. Europa sei kein Bürokraten- und Elitenprojekt. »Ich will Europa den Menschen zurückgeben.« Gute Idee, nur sind die nicht sonderlich erpicht auf die zerbröselnde Wirtschaftsunion. Gewählt haben die Kandidaten für das EU-Parlament 2014 nur 43 Prozent der Wahlberechtigten.

Im tiefen, dunklen Bayern gratulierten die lieben Kollegen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt freute sich: Dass auf EU-Ebene inzwischen über »Ausschiffungsplattformen« für Migranten diskutiert werde, sei ein Ergebnis der Zusammenarbeit von CSU-Politikern in Berlin, München und Brüssel. »Wir halten gemeinsam Kurs«, gelobte Dobrindt. Das putschte Weber auf. Schließlich platzte es aus dem Kandidaten heraus: »Es geht um die Selbstbehauptung Europas und die Verteidigung unserer Werte, weil wir von außen und innen angegriffen werden.« Dadurch sei der europäische Lebensstil gefährdet.

Die Kanzlerin war hocherfreut. Weber sei »eine starke Stimme der Unionsfamilie in Europa«, stehe für Ausgleich statt für Spaltung und damit »für ein starkes Europa«. Also wieder mal ein Deutscher an der Spitze der EU-Kommission? Der letzte war Walter Hallstein, dessen Idee es war, diplomatische Beziehungen anderer Länder mit der DDR als unfreundlichen Akt gegenüber der Bundesrepublik zu werten.

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