Aus: Ausgabe vom 05.09.2018, Seite 16 / Sport

So kann’s gehen

Von André Dahlmeyer
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Knappe Kiste: Colo Colos Jorge Luis Valdivia feiert das Weiterkommen gegen den brasilianischen Meister Corinthians

Einen wunderschönen guten Morgen! Der chilenische Kultklub Colo Colo aus Santiago hat im Achtelfinale der Copa Libertadores sensationell den brasilianischen Meister Corinthians São Paulo ausgeschaltet. In der Runde der letzten Acht trifft der Verein in zwei Wochen daheim auf Brasiliens Vizemeister Palmeiras.

Colo Colo verlor das Rückspiel in der Arena Corinthians zwar mit 1:2, qualifizierte sich nach dem 1:0 im Hinspiel aber durch den Auswärtstreffer des Ex-Dortmunders Lucas Barrios. Der hatte den von Jadson nach einer Viertelstunde per Strafstoß erzielten Führungstreffer des »Timão« bereits nach weiteren 15 Minuten ausgeglichen. Danach gelang Corinthians nur noch das 2:1 (64.) durch Roger nach einer Ecke. Der »Cacique« (Stammesälteste) steckte den Druck der Gastgeber in den letzten 30 Minuten weg wie Schmiergeld.

Damit qualifizierte sich Colo Colo erstmals nach 27 Jahren wieder für die Viertelfinals der Copa Libertadores. Damals, 1991, gewann der Cacique den Wettbewerb. Chile ist aus dem Häuschen. Viertelfinalgegner Palmeiras hingegen eliminierte das Team von Cerro Porteño aus Asunción. Mit einem 2:0 in Paraguay und einer 0:1-Niederlage in Unterzahl (bereits nach fünf Minuten war beim »Verdão«-Urgestein Felipe Melo nach einem brutalen Foulspiel mit Rot vom Platz gestellt worden) im Allianz Parque, bei dem der am Ende ausgeschiedene »Ciclón« das klar bessere Team war. Bei Cerro debütierte der spanische Trainer Fernando Jubero an der Seitenlinie. Der schlug gleich voll ein. Die Paraguayos spielten verdammt intelligent und brachten die Gastgeber immer wieder in brenzlige Situationen, doch Palmeiras schaffte es irgendwie, das 0:0 bis zur Pause zu halten. Nach dem Wechsel sendete der linke Außenverteidiger Cerros, Santiago Arzamendia, einen vergifteten Pass vom Flügel in die Mitte, der Freund und Feind überraschte, insbesondere Torrumsteher Weverton, der die Kugel einfach zum 0:1 (57.) für Cerro Porteño passieren ließ. Leider gelang dem Team aus dem Arbeiterviertel Asuncións danach kein weiterer Treffer mehr, der es direkt ins Elfmeterschießen gerettet hätte.

Einen noch viel größeren Erfolg als Colo Colo verzeichnete Atlético Tucumán aus dem Nordwesten Argentiniens. Bei seiner erst zweiten Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb besiegte der Klub im Achtelfinale Atlético Nacional auswärts mit 1:0. Das Hinspiel hatten die Tucumános im eigenen Estadio Monumental José Fierro überlegen mit 2:0 gewonnen. Noch 2016 hatte Atlético Nacional unter Anleitung von Reinaldo Rueda die Copa Libertadores gewonnen. Der ist heute Trainer der chilenischen Nationalauswahl »Roja«. Im Viertelfinale treffen die Argentinier nun auf Vorjahressieger Grêmio aus Porto Alegre, das dort Estudiantes de La Plata dank eines Last-Minute-Tors im anschließenden Elfmeterschießen eliminierte.

River Plate Buenos Aires überfuhr im eigenen Stadion nahe des ehemaligen Folterzentrums ESMA (Mechanikerschule der Armada) den Racing Club aus Avellaneda völlig verdient mit 3:0. Dreimal vor- und zurück, so einfach kann’s gehen. Eigentlich versprach das Match Spannung, Emotionen – man kann nicht alles haben. Im Viertelfinale trifft River Plate nun auf den Club Atlético Independiente, den Erzfeind Racings, der in Brasilien den FC Santos ausschaltete. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld von den Boca Juniors (schmiss in Asunción Libertad raus) und Cruzeiro aus Belo Horizonte (ließ die Cariocas von Flamengo alt aussehen).

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