Aus: Ausgabe vom 03.09.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Globale Botschaft

Zu jW vom 25./26.8.: »Einer von uns«

Vor wenigen Wochen, zum Fest der Kuba-Freunde in der Parkaue von Berlin, war er zu erleben – Sigmund Jähn. In all den bitteren Jahren der Niederlage, des Hasses und der Hetze gegen die DDR und den Sozialismus, Sigmund Jähn war nicht nur »bodenständig«, er blieb, was er immer war, »einer von uns« in jeder Beziehung und insbesondere mit einem klaren politischen Bekenntnis, einem Auftreten ohne jedes gefallsüchtige und selbstverleugnende Gehabe, wie es vielfach anzutreffen ist und war. Es nötigt bis heute hohen Respekt und Achtung ab und lässt immer wieder die Frage aufkommen, warum es nur wenige vermochten, seinem Beispiel zu folgen, und viele jämmerlichste Figuren abgeben. (…) Heute lässt sich fragen, wo in Politik und Wissenschaft es Persönlichkeiten gibt, die zur Friedensfrage eine globale, menschengerechte Antwort haben. Nicht nur ein Sigmund Jähn, von Juri Gagarin bis zu anderen Erdbetrachtern aus »göttlichen« Höhen wissen wir, wie deren Blick auf unsere Erde immer den Gedanken des unbedingten Bewahrens unseres Planeten hervorrief, wie sie auf die Gefahren für uns und die Erde hinwiesen. Das ist aktuell und wichtig in einer Zeit, in der Krieg bis in das All längst wieder die Antwort imperialistischer Krieger ist, uns gar als Friedenskampf weisgemacht wird und sich viel zu wenige dagegen aufbäumen (…).

Roland Winkler, Aue

Blick nach Österreich

Zu jW vom 28.8.: »Mehr Rente ohne Riester«

Natürlich ist das Rententhema immer wieder dazu geeignet, von anderen Dingen abzulenken. Aber auch die Vorschläge der SPD, die Rente bis 2040 stabil bei 48 Prozent zu halten, gehen doch an der Realität vorbei! Warum kommt nicht ein Politiker der Linken oder der SPD einmal auf die Idee, die Frage zu stellen, was mit all denen ist, die nicht in die Rentenkasse einzahlen? Ich möchte hier nur die Politiker, Selbständigen, Beamten nennen. Es wird immer wieder davon gesprochen, wie viel aus Steuermitteln notwendig ist, um das Rentenniveau zu halten. Aber kein Politiker spricht offen aus, woher denn die Pensionen für die Beamten und Politiker kommen! Das sind Steuermittel. Zahlten auch diese Personengruppen in die Rentenkasse ein, würde sich alles wieder normalisieren. Warum schauen wir nicht mal zu unseren österreichischen Nachbarn und sehen, wie dort die Renten geregelt sind?

Wolfgang Herzig, per E-Mail

Hoffnung auf Klärung

Zu jW vom 28.8.: »›Es ist ein banaler Entwurf‹«

Künstler beider deutschen Landesteile schufen unter der Leitung des Düsseldorfer Architekten ein weltweit gerühmtes Gesamtkunstwerk für diese Kathedrale. Das Material kam überwiegend aus der Bundesrepublik, die Bauleute waren aus Ostberlin. Gespendet für den Wiederaufbau haben nicht nur Katholiken, sondern viele Bürger Berlins. Man will demnächst ein Projekt in Berlin starten und »die Mauer« wieder aufbauen, damit – nach Zahlung eines nicht unerheblichen Eintrittssalärs – man fühlen könne, wie gruselig es im Osten war. Diejenigen, die am Wiederaufbau der kriegszerstörten Hedwigs-Kathedrale beteiligt waren, fühlten ein großes Glück, für dieses Projekt gemeinsam arbeiten zu dürfen. Das Projekt begann in den Nachkriegsjahren, ging nach dem Mauerbau 1961 weiter, war 1965 vollendet. Der Berliner Künstler und evangelische Christ Fritz Kühn war 1957, 1958, 1961 und 1964 mit seinen Gestaltungen beteiligt. (…) Zudem ist die Kathedrale als bedeutendes Baudenkmal anerkannt, und es sind mehrfache Schutzrechte gültig. Dennoch will Herr Erzbischof Dr. Heiner Koch die jetzige Architektur nicht als erhaltenswert anerkennen. Hoffentlich wird es in dieser Frage noch rechtzeitig eine Klärung geben.

Helgard Kühn, per E-Mail

Widerstand ist nötig

Zu jW vom 30.8.: »Jagd auf Waldschützer«

Folgendes ist zunächst einmal klarzustellen: Die Kohlekommission als solche ist mehr Schein als Sein. Das beweist uns die Kampfansage von RWE, wonach ab Oktober dieses Jahres rund 100 Hektar des Hambacher Forstes abgeholzt werden sollen. Man könnte meinen, dass es äußerst dreist ist, einer Kommission, die dem Zweck der Erarbeitung eines Plans zum Kohleausstieg dienen soll, eine Ankündigung zu machen, dass zum Zwecke des Kohleabbaus weiter abgeholzt wird. Doch (…) RWE kann es sich erlauben, solche Kampfansagen zu machen. (…) Der Hambacher Forst muss bleiben, denn der Posten, den unsere Gefährtinnen und Gefährten dort halten, ist ein Symbol des Widerstands gegen die Ausbeutung bzw. systematische Zerstörung von »Mutter Erde«, wie sie weltweit von Konzernen wie RWE betrieben wird. Die Chefetage von RWE betreibt neben der wissentlichen Umweltzerstörung auch eine Strategie der Spaltung, denn viel zu oft geraten Arbeiter von RWE und Umweltaktivisten aneinander. Allerdings haben beide Seiten die gleichen Feinde, nämlich eben die Chefetage von RWE und auch jene, die dem Konzern politisch den Weg ebnen. Diese hätten schon viel früher für eine umweltfreundliche, nachhaltige Energiegewinnung sorgen und im Zuge dessen andere Arbeitsplätze für die Beschäftigten schaffen können. Jedoch hätte dies mehr Kosten und weniger Profit mit sich gebracht, und da es den Verantwortlichen von Staat und RWE nun einmal um Profitmaximierung geht, befinden wir uns einmal mehr an dem Punkt, an dem deutlich wird, dass Widerstand nötig ist. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sollte ein für seine Verhältnisse radikales Zeichen setzen und die Kohlekommission verlassen und statt dessen sowohl die Besetzung unterstützen als auch zusammen mit Gewerkschaften, in denen RWE-Beschäftigte organisiert sind, ein Bewusstsein schaffen und breiten Protest organisieren. (…)

Tim Hilgendorf, Jugendstrafanstalt Raßnitz

Der Hambacher Forst muss bleiben, denn er ist ein Symbol des Widerstands gegen die Ausbeutung und systematische Zerstörung von »Mutter Erde«, wie sie weltweit von Konzernen wie RWE betrieben wird.