Aus: Ausgabe vom 03.09.2018, Seite 4 / Inland

Denkmal der Dankbarkeit

Zum Weltfriedenstag: Ehrung für sowjetische Piloten in Sachsen erneuert

Von Jürgen Köhler
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Mahnmal für den Frieden: Einwohner von Syhra und Gäste bei der Wiedereinweihungsfeier am Sonnabend

Anlässlich des Weltfriedenstages wurde am Sonnabend im sächsischen Geithain, Ortsteil Syhra, ein Denkmal wiedereingeweiht. 1967 war es als Dank der Einwohner zwei sowjetischen Piloten gewidmet worden, die auf einem Übungsflug verunglückt waren. Vertreter von Parteien, Initiativen, Vereinen und Verbänden folgten der Einladung. Medienvertreter aus Deutschland und Russland waren vor Ort ebenso wie der Generalkonsul der Russischen Föderation in Leipzig, Andrej Yurevich Dronov.

Schriftliche Überlieferungen und Berichte von Zeitzeugen geben einen Einblick in die Ereignisse vom 19. Oktober 1966: Die beiden Piloten und Kommandeure Viktor Nikolajewitsch Schandakow und Juri Alexejewitsch Wladimirow starteten vom knapp 20 Kilometer entfernten Militärflugplatz Altenburg/Nobitz mit einem zweisitzigen Schulflugzeug zu einem nächtlichen Übungs- und Lehrflug. Während sie in der Luft waren, fiel das Treibwerk aus. Die Maschine verlor schnell an Höhe. Die Piloten erhielten den Befehl zum Nutzen der Schleudersitze, nur bemerkten sie, dass sie unmittelbar auf eine Ortschaft zuflogen. Erst als sie sicher waren, dass das Flugzeug dort nicht abstürzen würde, betätigten sie die Rettungssysteme. Jedoch reichte nun die Höhe nicht mehr aus, um die Fallschirme öffnen zu können. Nach dem Absturz eilten Einwohner von Syhra an die Unglücksstelle, doch sie konnten nicht mehr helfen. Einer der Piloten war bereits tot, der andere starb kurz nach dem Aufprall.

Im Laufe der Jahrzehnte geriet das Denkmal in Vergessenheit. Nach dem politischen Umbruch der Zeit um 1990 hatten die Menschen andere Sorgen, als sich um dessen Erhalt zu kümmern. Das Denkmal drohte zu verfallen und zuzuwachsen. Mitglieder des Geithainer Ortsverbandes der PDS waren es, die Pflege und Erhaltung des Ehrenmals als ihre moralische Verpflichtung betrachteten, um das Andenken an die beiden »Helden von Syhra«, wie sie genannt wurden, zu bewahren. Bei regelmäßigen Einsätzen hielt man das Umfeld in Ordnung.

Nach nunmehr 40 Jahren wurden bauliche Maßnahmen zum Erhalt notwendig. Engagierte im Ort appellierten beharrlich an die staatlichen Stellen, etwas zu tun – ohne Erfolg. Bernd Gnant, Mitglied im Ortsverband von Die Linke sowie der Stadtratsfraktion, entschloss sich im Frühjahr dieses Jahres gemeinsam mit ihm nahestehenden Genossen, die Restauration des Ehrenmals selbst in Angriff zu nehmen. Sie starteten einen Spendenaufruf für die Finanzierung der Arbeiten. Trotz großer Spendenbereitschaft mussten sie feststellen, dass die erforderliche Summe von rund 6.500 Euro auf diesem Weg nicht erreicht werden konnte. Daher wandten sie sich an weitere mögliche Unterstützer. Dazu gehörten u. a. die »Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR e. V.« (ISOR), der »Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR e. V.«, der »Fallschirmjäger-Traditionsverband Ost e. V.« sowie die »Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e. V.« (GRH). Auch Abgeordnete aller Ebenen der Linkspartei gehörten zu den Spendern, angefangen vom Europaparlament über Bundes-, Land- und Kreistag sowie viele weitere Parteimitglieder. Am Ende kamen über 20.000 Euro zusammen.

Initiator Gnant betonte in seiner Rede am Sonnabend, dass »die Sow­jetarmee im Zweiten Weltkrieg die Hauptlast bei der Niederschlagung des Faschismus« getragen habe. Ihren Soldaten gelte »unsere tiefempfundene Dankbarkeit«. Der Weltfriedenstag sei Anlass genug, daran zu erinnern. An die Adresse der NATO und ihrer Mitgliedsstaaten forderte Gnant: »Es gibt keinen Weltfrieden ohne und gleich gar nicht gegen Russland. Zeigen Sie nicht die Faust, sondern reichen Sie Russland die Hand!« Er forderte gemeinsame Anstrengungen »für ein friedliches Miteinander, für Abrüstung und Völkerverständigung«. Dann, so seine Hoffnung, »war auch der Tod der beiden Helden von Syhra nicht umsonst«.

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