Aus: Ausgabe vom 31.08.2018, Seite 2 / Inland

Zwei Attacken auf Migranten

Körperliche Angriffe auf Syrer in Wismar und auf Eritreer in Sondershausen

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Tennissocken und Deutsch-Fandfahne: Die anwachsende fremdenfeindliche Stimmung lässt Erinnerungen an Pogrome wie in Rostock-Lichtenhagen Ende August 1992 wach werden

In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ist jeweils ein Migrant körperlich angegriffen worden. Ein 33jähriger Eritreer wurde in Sondershausen bei einem Streit mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf schwer verletzt. In der Hansestadt Wismar wurde ein Syrer überfallen, er erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Beide Angriffe ereigneten sich bereits am Mittwoch abend.

Über die Attacke im Wismarer Stadtteil Friedenshof berichtete der NDR am Donnerstag. Demnach war der 20jährige Syrer allein auf dem Heimweg von drei deutsch sprechenden Tatverdächtigen aufgehalten und ausländerfeindlich beschimpft worden. Zwei der Verdächtigen schlugen dem jungen Mann dann ins Gesicht, der dritte schlug ihm mit einer Eisenkette gegen Schulter und Rippen, wodurch das Opfer zu Boden ging. Daraufhin sei der Mann von allen drei Angreifern getreten worden, die anschließend die Flucht ergriffen hätten. Laut dem Sender wurde am Donnerstag nachmittag ein Tatverdächtiger festgenommen. Das Opfer konnte die Klinik nach ambulanter Behandlung wieder verlassen.

Gegenüber dem NDR zeigte sich der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern »wenig überrascht« von dem Vorfall in Wismar. In der Stadt hätten viele Leute »ein Problem mit Zuwanderern«, wie ein Sprecher sagte. Alltagsrassismus sei die Realität, weshalb sich die Organisation mehr Unterstützung von Stadtpolitik und Polizei wünsche. Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) erklärte laut Nachrichtenagentur AFP, dass zu dem Fall eine Sonderkommission eingerichtet werde. »Sollte sich tatsächlich ein rechtsextremistischer Hintergrund dieser feigen Tat bestätigen, macht mich das umso fassungsloser«, erklärte Caffier.

Im Fall des Eritreers soll es einen minutenlangen Streit zwischen ihm und einer Personengruppe gegeben haben, der dann in den körperlichen Attacken endete. Das berichtete unter anderem RTL.de am Donnerstag. Nach Angaben einer Polizeisprecherin war der 33jährige bereits wegen Körperverletzungen aufgefallen. Nach Aussagen von Zeugen waren bei der Auseinandersetzung in Sondershausen ausländerfeindliche Worte gefallen. Aber auch der Eritreer habe immer wieder die Männer auf der anderen Seite provoziert, hieß es. Die Zeugen sollen die Polizei verständigt und Erste Hilfe geleistet haben.

(dpa/AFP/jW)

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