Aus: Ausgabe vom 31.08.2018, Seite 1 / Kapital & Arbeit

Argentinien ruft IWF zu Hilfe

Rezession und Währungsverfall: Währungsfonds prüft Anfrage. Peso auf Rekordtief

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Wechselstube in Buenos Aires. Am Donnerstag kostete ein US-Dollar 39 Peso, ein Allzeitrekord

Argentiniens Präsident Mauricio Macri hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe gebeten. Wieder einmal. Anlass ist der ungebremste Verfall der Landeswährung Peso. Die in Washington ansässige Finanzorganisation reagierte prompt: IWF-Chefin Christine Lagarde sagte am Mittwoch (Ortszeit) eine rasche Prüfung der Bitte zu, und am Donnerstag hob die Notenbank den Leitzins von 45 auf 60 Prozent an.

Das Problem: Argentinien hatte vom IWF bereits im Juni die Zusage für einen Unterstützungskredit von 50 Milliarden US-Dollar erhalten. Davon sind bereits 15 Milliarden ausgezahlt worden. Doch die Probleme des Landes sind riesig, der Effekt der Finanzhilfe verpuffte schnell. Macri, seit 2015 als Nachfolger der sozialdemokratisch agierenden Peronistin Cristina Fernández de Kirchner im Amt, fährt einen hart neoliberalen Kurs. Jetzt stehen er und seine Regierung vor ähnlichen Problemen wie einst die von Fernandez.

Der Unterschied: Unter der Präsidentschaft beider Kirchners (Cristina von 2007 bis 2015, davor hatte ihr verstorbener Ehemann Nestor seit 2003 das Amt inne) wehrte man sich heftig gegen den Druck des IWF. 2014 scheiterte dann ein bereits mit den wichtigsten Gläubigern vereinbarter Schuldenschnitt am Urteil eines US-Gerichts. Das Verfahren war von zwei Hedgefonds angestrengt worden, die zuvor wertlose Staatsobligationen Argentiniens aus der vorherigen Krise 2002 aufgekauft und dann auf volle Rückzahlung plus Zinsen zum deutlich höheren Nennwert von 1,5 Milliarden Dollar geklagt hatten. US-Bundesrichter Thomas Griesa folgte nicht nur dem Ansinnen der Fonds, sondern legte auch fest, der vereinbarte Schuldenschnitt im Umfang von 539 Millionen Dollar habe Nachrang. Erst mussten die »Heuschrecken« bedient werden.

Macri beugte sich dem Urteil und dem Willen des IWF. Doch die Wirtschaft erlebte nur einen Scheinaufschwung. Jetzt herrscht Rezession, die Inflation lag im Juli über 20 Prozent. Nach dem Hilfeersuchen an den IWF fiel der Wechselkurs des Peso zum Dollar auf den niedrigsten Stand seiner Geschichte. (AFP/jW)

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