Aus: Ausgabe vom 29.08.2018, Seite 10 / Feuilleton

Georgi, Manzel

Von Jegor Jublimov
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Bannt und verzaubert die Zuschauer: La Manzel in der Komischen Oper

Nicht nur Goethe, auch die Trickfilmerin Katja Georgi hatte gestern Geburtstag, und sie hat dem Giganten schon ein bisschen nachgeeifert. Mit einer eigenen, phantasievoll-philosophischen Interpretation des Faust-Stoffes brachte sie dem DEFA-Trickfilm 1982 in Ottawa einen internationalen Erfolg. »Feuer des Faust«, den Katja Georgi nach Puppenentwürfen von Klaus Ensikat inszenierte, schaffte es, der Sage eine neue Dimension zu geben.

Die erfolgreiche Regisseurin von Kinderfilmen, die im Eichsfeld aufwuchs und nach dem Krieg auf der Burg Giebichenstein Kunst studierte, feierte gestern ihren 90. Geburtstag. Mit Kommilitonen gründete sie seinerzeit in Halle das Grafische Atelier »Wir fünf«, das viele Aufträge annahm, aber durch Puppenfilme des Tschechen Jiri Trnka angeregt wurde, selbst Trickfilme zu produzieren. So folgten sie gern einem Ruf nach Babelsberg, wo die meisten von ihnen sehr produktive Trickfilmer werden sollten.

Katja, mit Mädchennamen Heinitz, heiratete ihren Studienfreund Klaus Georgi, und für viele Jahre blieben die Eheleute eine feste Größe im DEFA-Trickfilm. Zu Katja Georgis vielen international preisgekrönten Filmen gehören u. a. »Zündhölzer« (1963) und »Ein junger Mann namens Engels« (1970, im Kollektiv), eine deutsch-sowjetische Koproduktion zum 150. Geburtstag von Friedrich Engels. Das Werk war eins der vielen Beispiele dafür, dass auch der Animationsfilm weltanschauliche Fragen spielerisch umsetzen kann. Heutige Babelsberger Studenten sollten da mal einen Blick riskieren.

Es scheint nicht weit hergeholt zu mutmaßen, dass frühe künstlerische Eindrücke die berufliche Laufbahn Erwachsener beeinflussen. So dürfte die Schauspielerin Dagmar Manzel in der Kindheit einige Georgi-Filme gesehen und Lust auf die Gestaltung von Geschichten bekommen haben. »Den Gipfel der Theaterkunst erreicht« und »Ein einmalig schöner Schwebezustand bannt und verzaubert die Zuschauer« lauten Rezensionsüberschriften aus den neunziger Jahren, als die Manzel viele Theaterpreise erhielt. Doch da war der Gipfel noch nicht erreicht! Schon in ihrem Engagement am Berliner Deutschen Theater (1983–2001) hatte sie in Sonderprogrammen, etwa zu Ehren Marlene Dietrichs, zu singen begonnen. Vom Chanson wechselte sie mutig zum Kunstgesang und wurde seit der Jahrtausendwende eine Diva der Operette und des Musicals von hohen Graden. Warum auch nicht? Die legendäre Fritzi Massary, mit der sie gelegentlich verglichen wird, stand mit über 50 noch im Zenit. »La Manzel«, oft so genannt, hat ihren noch nicht überschritten, wenn sie auch am Sonnabend 60 wird. Der Künstlerin, die seit DEFA-Zeiten auch eine gefeierte Film- und Fernsehschauspielerin ist, widmet der MDR morgen die Sendung »Porträt einer Antidiva«.

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