Aus: Ausgabe vom 29.08.2018, Seite 8 / Ansichten

DDR-Gedenkstätte des Tages: »DAU«-Projekt

Von Marc Bebenroth
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Wenn schon von offizieller Seite an die Deutsche Demokratische Republik erinnert wird, dann dürfen Formeln wie »Unrechtsstaat«, »Leben in Unfreiheit« oder »sozialistische Mangelwirtschaft« nicht fehlen. Doch die alten Kamellen machen auf Dauer nichts mehr her. Irgendwann fehlt der Kick für echten Grusel. Man stumpft eben ab. Die echte »Zone« ist verloren, weshalb man sich auch das bisschen Archivmaterial von Gerhard Löwenthal gut einteilen muss.

Zum Glück gibt es nun das Projekt des russischen Filmemachers Ilja Chrschanowski. Der will anlässlich der Berliner Festspiele dieses Jahr mitten in der Hauptstadt ein Stück DDR nachbauen. Ab dem 12. Oktober sollen sich täglich bis zu 3.000 Besucher in der geplanten Freiluftgeisterbahn im von einer neuen Mauer umschlossenen Viertel am Boulevard Unter den Linden so richtig gruseln.

Wer aber denkt, dass es eine fröhliche Festveranstaltung mit viel Klimbim wird, der irrt. Es soll keine »Disney-DDR« werden, stellte Festspielveranstalter Thomas Oberender am Dienstag gegenüber der Deutschen Presseagentur unmissverständlich klar. Also keine Schauspieler in Honecker-Plüschkostümen, keine Vopos aus Pappe und keine FDJ-Achterbahn. Auf dem Programm stehen stundenlange Filme, Diskussionsveranstaltungen und Theaterstücke. Aber immerhin heißen die Eintrittskarten »Visum«. So kommt zumindest schon mal Stimmung auf. Ab 15 Euro ist man dabei und kann am eigenen Leib erleben, wie trist sich das Dasein in dieser roten Diktatur angefühlt haben muss. Das kennt man ja sonst nur aus Schulbüchern oder ZDF-Dokumentationen. Schon am 9. November soll das Kunstprojekt »DAU Freiheit« enden, die künstliche Mauer wird eingerissen. Damit wird der Platz frei für eine neue Gedenkstätte.


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