Aus: Ausgabe vom 28.08.2018, Seite 14 / Feuilleton

Ab in den Flow

Von Rafik Will
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Besser nicht blinzeln: Das Leben als Radkurier ist hart und rasant

Der Film »Einer flog über das Kuckucksnest« ist ein echter Klassiker. In ihm geht es um den entwürdigenden Alltag in der Psychiatrie – eine Einrichtung, mit welcher der Autor der Romanvorlage Ken Kesey beruflich selbst Erfahrungen sammelte. Nach dem Verkauf der Filmrechte lebte Kesey erst in einer selbstgegründeten Kommune und begann dann eine abenteuerliche Busreise mit reichlich LSD, quer durch die USA. Auf die Spuren dieses Trips begab sich vor einigen Jahren Sabine Nikolay, ihre Erfahrungen verarbeitete sie in dem Feature »On The Bus. Eine Reise auf den Spuren des Autors Ken Kesey« (ORF 2011; Di., 16 Uhr, ORF Ö1). Mit dem Werk von Thomas Harris hat sich hingegen Robert Weber beschäftigt. In seiner neuen Hörspielserie »Des Teufels langer Atem« (WDR 2018; Ursendung Teil 2/4 Di., 19 Uhr, WDR 3) fahndet FBI-Agentin Clarice Starling, die Heldin aus »Das Schweigen der Lämmer«, erneut nach einem Serienkiller. Weniger psychologisch grundierter Thriller als Mystery.

Eine Diskussion mit Karin Leuke­feld und Yavuz Fersoglu von Anfang Juli zur derzeitigen Lage in Syrien bietet »Welche Zukunft streben die PYD, SGF, YPG und YPJ in Syrien an?« (Mi., 8 Uhr, FSK), tags darauf läuft auf der gleichen Welle »Herrschaftskritik und Literatur in der Zeitschrift ›Die Schwarze Botin‹« (Do., 20 Uhr, FSK), ein Vortrag von Katharina Lux über das Magazin, das bis Ende der Achtziger erschien und zu dem unter anderem auch die heutige Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek beitrug. In »Die Kultur­umverteilungsmaschine – Wer hat, dem wird gegeben« (DLF 2018; Ursendung Fr., 20.10 Uhr, DLF) prangert Ina Plodroch an, dass vor allem Hochkultur öffentlich gefördert wird.

Ab in den Flow des Straßenverkehrs und nicht blinzeln – das heißt es jeden Tag für Fahrradboten. Alexander Körner hat sich an sie drangehängt und legt nun das Feature »Pedale, Pannen und Proteste – Vom Strampeln als Radkurier« (MDR 2018; Ursendung Sa., 9 Uhr, RBB Kulturradio und MDR Kultur) vor.

Ab nächstem Montag läuft bei WDR 3 die monströse 26teilige Hörspielproduktion »Brüder« nach einem Roman von Hilary Mantel über die Französische Revolution. Thomas David stimmt uns mit dem Porträt  »Heimsuchungen – Die britische Schriftstellerin Hilary Mantel« (WDR 2018; Ursendung Sa., 12 Uhr und Wdh. So., 15 Uhr, WDR 3) schon einmal ein. Clemens J. Setz führt in  »Innenhof« (SWR 2017; Sa., 14 Uhr, ORF Ö1) mit seinen Figuren ein soziales Experiment durch und stellt einen Stalker unter Beobachtung.

Einem dunklen Kapitel der jüngeren Geschichte Südafrikas widmet sich Johannes Gelich in »Das Massaker von Marikana – Südafrikanische Minenarbeiter und die Verantwortung der BASF« (ORF/SWR 2017; Sa., 18 Uhr, DLF Kultur). Wenig später gehört Mary Shelley die Bühne, »Meine Erinnerungen reißen mich in Stücke« (DLF Kultur 2018; Sa., 20 Uhr, DLF) entstand nach autobiographischen Notizen der Grande Dame des Schauerromans. Tom Mustroph begab sich für sein Feature in den Libanon. Ein Großteil der syrischen Flüchtlinge wird nicht von Europa, sondern von Ländern der Region aufgenommen: »Startups im Flüchtlingscamp? Die Situation der Syrer im Libanon« (WDR 2018; Ursendung So., 11 Uhr, WDR 5).

Eine futuristische Lovestory mit Tucholsky-Bezug und wundervoll überreiztem Personal findet man in Frank Spilkers »Zwei ohne Musik« (WDR 2017; So., 15 Uhr, Bayern 2), und die Arno-Schmidt-Bearbeitung »Die Umsiedler« (NDR/WDR 2017; So., 17 Uhr, SR2 Kulturradio) entführt in die frühe BRD. Bleibt noch Wieland Freunds und Guido Grafs Literaturfeature »Amerikanische Vorhölle, unendlich – Leben und Sterben des David Foster Wallace« (WDR 2009; So., 20.15 Uhr, ORF Ö1). Viel Spaß!


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