Aus: Ausgabe vom 23.08.2018, Seite 15 / Medien

Hackerangriff auf Cubainformación

Schwere Schäden: Von Bilbao aus betriebenes Internetportal seit Freitag offline

Von Volker Hermsdorf
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Attacke beweist: Das Portal ist Feinden des sozialistischen Inselstaates ein Dorn im Auge

Die Webseite des Medienportals Cubainformación ist am Freitag durch eine Hackerattacke zu großen Teilen zerstört worden. Wer in den zurückliegenden Tagen versucht hatte, auf die Domain http://www.cubainformacion.tv zuzugreifen, erhielt die Mitteilung, dass die Seite »bis auf weiteres« geschlossen sei. Der schwerste Angriff auf das seit elf Jahren bestehende Projekt sei »ein neuer Versuch, eine Stimme zum Schweigen zu bringen«, erklärte das »Netzwerk Cuba«, der Dachverband von mehr als 40 deutschen Solidaritätsorganisationen, am Dienstag. Die Macher arbeiten mit Hochdruck daran, Inhalte zu retten und konnten einen Teil bereits wieder online stellen.

Cubainformación verbreitet seit dem 1. Mai 2007 Nachrichten, Analysen, Hintergründe und Kommentare, die eine Alternative zu den oft einseitigen Informationen der privaten und staatlichen Massenmedien über Kuba bieten. In einem kleinen Studio in Bilbao werden täglich Videos und Artikel produziert sowie aktuelle Meldungen aus dem Inselstaat veröffentlicht. »Kuba ist ein politisches Symbol, dessen Gefährlichkeit darin besteht, dass es seit fast 60 Jahren als Alternative zum kapitalistischen System überlebt hat und für viele zum Vorbild geworden ist«, schrieb Koordinator José Manzaneda über das Projekt, das von ehrenamtlich aktiven Jounalisten betrieben wird. Seit gut einem Jahr werden Texte auch ins Deutsche übersetzt und Videos mit deutschen Untertiteln versehen.

Der kubanische Journalistenverband Unión de Periodistas de Cuba (UPEC) würdigte die Arbeit in einer Solidaritätserklärung am Montag als »qualitativen Sprung im Kampf gegen die Blockade der Medien«. Das Portal sei angegriffen worden, weil es eine strategisch wichtige Publikation sei, die Tatsachen über Kuba verbreite, erklärte UPEC-Vizepräsidentin Rosa Miriam Elizalde. Das Institut für Völkerfreundschaft (ICAP) in Havanna bezeichnete die Attacke schließlich als Beweis für das Interesse von Feinden der Kubanischen Revolution, »dieses wichtige Medium« auszuschalten.

Netzwerk Cuba teilt die Einschätzung. Deshalb sei es jetzt wichtig, »dass sich die Stimmen, die sich solidarisch für das sozialistische Kuba einsetzen, nicht zum Schweigen bringen lassen«.


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