Aus: Ausgabe vom 21.08.2018, Seite 16 / Sport

Das Muster von Dublin

Bei der Schwimm-EM der Behinderten überzeugten die Deutschen. Gelingt ihnen das jetzt auch in der Leichtathletik?

Von Klaus Weise
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Überwindung der Schwächephase: Elena Krawzow im Finale über 100 Meter Brust

Nach den Lebenszeichen die deutschen Schwimmer und Leichtathleten bei den Europameisterschaften der Nichtbehinderten sind nun die Handicap-Sportler dabei, noch einen draufzusetzen. Bis Sonntag fand in Dublin die Schwimm-EM der Behinderten statt, am Montag begann im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark die EM-Woche der Leichtathleten mit Beeinträchtigung.

In Dublin waren 19 Athleten des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) am Start, in Berlin werden es 40 sein. Die Zahlen sind gegenüber den Vorgängerchampionaten kräftig gewachsen, bei den Leichtathleten sind es im Vergleich zur WM 2017 fast doppelt so viele Teilnehmer. Und zumindest bei den Schwimmern konnte man nach dem Abschluss der Titelkämpfe am Sonntag konstatieren: Masse war hier auch Ausdruck von Klasse. Nach den sieben Wettkampftagen in Dublin rangierten die Schwimmer des DBS mit 22 Medaillen (8 / 4 / 10) auf Platz sieben der Nationenwertung hinter der Ukraine (33mal Gold), Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und Belarus. Überragende Deutsche war Elena Krawzow vom PSC Berlin mit dreimal Gold (50 m Freistil, 200 m Lagen, 100 m Brust) sowie je einmal Silber und Bronze. In der inoffiziellen Rangliste der erfolgreichsten EM-Teilnehmer lag sie mit dieser Ausbeute am Ende »nur« auf dem 21. Rang, angeführt wurde diese von Ihar Boki, der am Montag mit sieben Goldmedaillen nach Belarus zurückkehrte.

Die sehbehinderte Krawzow, die 2005 mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland kam und 2012 bei den Paralympics in London Silber über 100 Meter Brust gewann, kehrte in Dublin auf grandiose Weise an die Weltspitze zurück. Zwei Jahre lang war Krawzow auf der Suche nach ihrer Topform gewesen. Bei der Überwindung der Schwächephase standen ihr vor allem die Frauen im deutschen Team mit starken Leistungen zur Seite. Ihr Auftritt unter Führung von Bundestrainerin Ute Schinkitz (einst Coach bei den Nichtbehinderten, etwa von Stev Theloke) war mehr als überzeugend. Verena Schott holte Gold in ihrer Startklasse über 100 Meter Brust und zweimal Bronze, Denise Grahl gewann gleich drei Titel (50 m Schmetterling und Freistil, 100 m Freistil), die Potsdamerin Maike Naomi Schnittger siegte über 400 Meter Freistil. Insgesamt zogen die DBS-Starter 69mal ins Finale ein, schwammen zwei Europa- und 17 deutsche Rekorde, dazu kamen 38 persönliche Bestzeiten. Trotz dieses guten Zeugnisses sieht »Chefin« Schinkitz noch Reserven. »Wir haben gerade im Trainingsstandard noch eine sehr große Spanne und wissen, dass in Deutschland einiges an Arbeit vor uns liegt.«

Das ist bei den Leichtathleten des DBS ganz genauso. Bei ihrer EM in Berlin stehen in den verschiedenen Startklassen insgesamt 182 Wettbewerbe auf dem Programm. Wie bei den Schwimmern – wo »Stars« wie Kirsten Bruhn und Daniela Schulte nach Olympia 2016 ihre Laufbahn beendeten – brachte der Abschied konstant erfolgreicher Topathleten wie Marianne Buggenhagen einen personellen Umbruch. Und auch der verjüngten und ambitionierten DBS-Leichtathletikmannschaft ist eine Erfolgsgeschichte nach dem Muster von Dublin zuzutrauen. Insgesamt sind in Berlin rund 600 Teilnehmer aus 35 Nationen gemeldet, darunter auch semiprofessionelle Sportler aus den Topnationen der Behindertenleichtathletik. Es dürfte für die Deutschen schwierig werden, aufs Podest zu kommen. Aber auch die deutsche Para-Leichtathletik hat in den vergangenen Jahren einige Athleten mit Strahlkraft hervorgebracht. Ein Beispiel wäre der Weitspringer und Sprinter Markus Rehm, der nach einem Unfall unterhalb des rechten Knies beinamputiert wurde und mit einer Flexprothese antritt. Sein Weltrekord liegt bei 8,40 Meter.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Daniel Horneber: Danke Ein sehr guter Artikel. Eine kleine Anmerkung: Der Weltrekord im Weitsprung von Rehm liegt bei 8,47 Metern, und damit wäre er Europameister der Nichtbehinderten, wenn er diese Weite wiederholt hätte ...
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