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Droste

Friedens­wurst

Und wenn die Welt voll Teufel wär’ – a weng Woscht gibt es immer in Franken respektive Wrrangen. Von der Wurst­theke leuchteten »Chilipeitschen« mich an, lange, dünne Riemen, geräuchert und luftgetrocknet und sehr dazu geeignet, einen Wurstesser doppelt zu beglücken: Erst gibt es damit je nach Neigung und Geschmack sanfte Streiche oder scharfe Hiebe auf den Blanken, und danach essen Aktiv- wie Passiv-Soft-SMler die Träger des DLG-Preises 2017 gemeinsam auf; dass es sich bei DLG-Preisen um Automatengold handelt, das die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft en gros verteilt, spielt keine Rolle.

Wurstfern und bedeutungsaufgeladen ist auch die Hirschsalami, die bereits im Jahr 2016 eine Goldmedaille errang. In welcher Disziplin? Gedicht heben? Kalauern: »Du hast Glück bei den Frau’n, Sal ami …«? Forkeln? Brunftig herumröhren? – Weit gefehlt, Jägersmann. Die Hirsch-Salami in Gold steht »für Weltfrieden und gutes Essen«, ein »Pea ce!«-Zeichen auf dem Etikett ist aus Teller, Messer, Gabel und Löffel zusammenemblemiert. Wurst für den Weltfrieden – wenn John Lennon und Kofi Annan das gewusst hätten, wäre ihr Leben sicher glücklicher verlaufen, und die Friedensbewegung hätte sich zu Tisch gesetzt und still vor sich hin gemampfelt.

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Dies alles ging mir durch die Frühstücksrunkel, während ich mit der linken Hand – klatsch! – die Chilipeitsche schwang und mit der rechten die Hirschsalami in mich hineinstopfelte und sie verschlang, den würzigen Weltfrieden zwischen Zähnen, Zunge und Gaumen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.08.2018, Seite 11, Feuilleton

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