Aus: Ausgabe vom 18.08.2018, Seite 5 / Inland

Alles nach Wolfsburg

Volkswagen verlegt »Golf«-Produktion aus Zwickau und dem mexikanischen Puebla ins Stammwerk

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Fertigungshalle von VW für den Golf in Wolfsburg im Oktober 2017

Der Volkswagen-Konzern will die Produktion im Stammwerk Wolfsburg in den nächsten Jahren auf eine Million Autos erhöhen. Dazu werde die Produktion des absatzstarken »Golf« mit Einführung der achten Modellgeneration in Wolfsburg gebündelt, sagte am Freitag Andreas Tostmann, Produktions- und Logistikvorstand der Kernmarke VW Pkw. Die »Golf«-Fertigung aus Zwickau und dem mexikanischen Puebla werde ins Wolfsburger Stammwerk verlegt. Zwickau bekommt dafür die Fertigung der neuen vollelektrischen »ID«-Modellfamilie. Bis 2020 solle die Produktivität aller deutschen Standorte um 25 Prozent zulegen, kündigte Tostmann an.

»Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht Volkswagen in Zukunft weitere Anstrengungen, insbesondere für die Zeit nach 2020«, betonte der Produktionsvorstand. Kürzlich erst hatte Konzernchef Herbert Diess angekündigt: »Wir wollen gemeinsam mit den Marken, über alle Werke hinweg, bis 2025 rund 30 Prozent mehr Effizienz schaffen: bei den Fabrikkosten, der Produktivität und Investitionen.«

Im vergangenen Jahr hatte VW im Werk Wolfsburg mit über 62.000 Beschäftigten rund 790.000 Autos gebaut. Weltweit lieferte die Marke 2017 über 6,2 Millionen Autos aus und beschäftigte etwa 214.000 Menschen.

Eine neue Produktionsstrategie mit acht Handlungsfeldern soll nach Konzernangaben dabei helfen, die Ziele zu erreichen. Es gehe zum Beispiel darum, die Komplexität in der Fertigung zu verringern, indem etwa die Anzahl bestimmter Optionen und Teile kleiner wird. Auch um einheitliche Strukturen in allen VW-Werken soll es gehen. Einer der größten Hebel zur Wertsteigerung sei ein »kompetentes, weltweit führendes Produktionsnetzwerk«, sagte Tostmann. Bislang habe VW im Branchenvergleich im Mittelfeld gelegen. Ende September will das Unternehmen Details zur neuen Strategie »Transform.Together« bekanntgeben.

Mit Blick auf den Trend zur Digitalisierung und künftige Herstellungsverfahren betonte Tostmann, dass es wichtig sei, die Mitarbeiter zu qualifizieren und »mitzunehmen«. Es sei eine Transformation im großen: »Es wird die meisten der Mitarbeiter, im direkten wie im indirekten Bereich, betreffen.« Wolfsburg sei für das Ziel, eine Million Autos zu bauen, »gut aufgestellt«. Auch ein neues Seat-Modell, der »Tarraco«, soll künftig in Wolfsburg gefertigt werden.

Der dortige Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) sagte am Freitag zu der Ankündigung, den Golf künftig ausschließlich in der niedersächsischen Kommune zu produzieren: »Wolfsburg ist die Hauptstadt von Volkswagen.« Es gebe dort auch nach 80 Jahren beste Voraussetzungen, um Autos zu bauen: »Die Bündelung der Golf-Produktion in Wolfsburg ist, nach einigen unschönen Nachrichten der letzten Zeit, ein wichtiges Signal für die Belegschaft und den Standort. «

Mehreren im Abgasskandal beschuldigten VW-Mitarbeitern droht unterdessen einem Vorabbericht von Bild am Sonntag zufolge die fristlose Entlassung. Die Betroffenen sollten »dieser Tage« die Kündigung erhalten. Demnach sollen die betroffenen Ingenieure in die Abgasaffäre verwickelt sein, gegen sie ermittle auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Nach diesen Informationen wollen sich die betroffenen Mitarbeiter juristisch zur Wehr setzen. Bislang habe VW auf fristlose Kündigungen verzichtet. Die Nachrichtenagentur dpa erfuhr aus Konzernkreisen, dass VW am 19. Juli Einsicht in die Akten der Braunschweiger Behörde erhielt. Derzeit werde der Inhalt der Unterlagen bewertet. (dpa/jW)

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