Aus: Ausgabe vom 07.08.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Kein Ende des Konflikts in Sicht

Schlichtung beim Autozulieferer Neue Halberg-Guss GmbH läuft schleppend

Von Stefan Thiel
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Kämpfen statt beten: Scheitert die Schlichtung, wird der Streik bei Halberg-Guss wieder aufgenommen (Demo in Frankfurt am Main, 12.7.)

Jetzt hilft nur noch beten. So sehen das zumindest offenbar der DGB Nordsachsen und die IG Metall Leipzig. Am gestrigen Montag luden die beiden Organisationen zum »Friedensgebet« in die Leipziger Nikolaikirche, um ein »Zeichen der Solidarität« mit den Beschäftigten des Autozulieferers Neue Halberg-Guss GmbH zu setzen.

Ebenfalls am Montag begann die zweite Schlichtungswoche bei dem Gießereiunternehmen. Zuvor hatten die Arbeiter in Leipzig und im Stammwerk Saarbrücken 45 Tage am Stück gestreikt (jW berichtete), um einen Sozialtarifvertrag, Abfindungen und eine Transfergesellschaft durchzusetzen. Seit dem 30. Juli ist der Ausstand aufgrund der Schlichtung unterbrochen. Da bei dem Autozulieferer derzeit Betriebsferien sind, wurde die Produktion aber trotzdem nicht wieder aufgenommen. Es finden lediglich Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten statt.

Halberg-Guss will die Eisengießerei in Leipzig mit insgesamt rund 700 Beschäftigten bis Ende 2019 schließen und in Saarbrücken 300 von 1.500 Stellen abbauen. Hintergrund der Pläne ist eine von der Geschäftsführung erwartete geringere Auslastung der Werke, die wiederum auf einen Streit des Halberg-Guss-Eigentümers Prevent mit VW um Lieferpreise zurückzuführen ist. Die Prevent-Gruppe der Investorenfamilie Hastor hatte Halberg-Guss erst zu Jahresbeginn übernommen und sich – wie auch im Fall anderer aufgekaufter Zulieferer zuvor – sogleich mit dem Wolfsburger Autobauer angelegt.

Ein Ende des von Management und Belegschaft hart geführten Konflikts zeichnet sich unterdessen nicht ab. Wie der IG-Metall-Bezirk Mitte am vergangenen Donnerstag mitteilte, verliefen die Schlichtungsgespräche bisher sehr schleppend. »Die Verhandlungen sind zäh. Es zeigen sich an mehreren Stellen große Schwierigkeiten«, so Bezirksleiter Jörg Köhlinger. Ein »Spiel auf Zeit« werde die Gewerkschaft jedoch nicht hinnehmen. Die Streiks seien nur »unterbrochen und nicht abgebrochen«, betonte Köhlinger. Sollte sich die Geschäftsführung nicht bewegen, würden die Beschäftigten den Streik jederzeit wieder aufnehmen. Ein endgültiges Ende des Arbeitskampfes werde es nur nach einer erfolgreichen Schlichtung und einer Urabstimmung geben.

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