Aus: Ausgabe vom 03.08.2018, Seite 8 / Ansichten

Schlechte Geschäftsleute des Tages: Google

Von Sebastian Carlens
RTS1AT62.jpg

Googles Mutterkonzern Alphabet ist einer der mächtigsten Monopolisten, die der Kapitalismus je hervorgebracht hat: Schon im Heimatmarkt absolut dominant, stehen ihm anderswo nicht einmal kleine Mitbewerber im Weg – in Europa beispielsweise. Und doch, trotz aller Macht und allen Geldes: Google wird, bestenfalls, stets nur die Nummer zwei sein; vermutlich nicht einmal das. Denn das Unternehmen hat vor acht Jahren einen verhängnisvollen Fehler begangen.

Damals zog sich Google lieber komplett vom chinesischen Markt zurück, anstatt die dort geltenden Gesetze zu akzeptieren. Es waren die Zeiten von »Freedom and democracy«, die USA waren Führungsnation, und der IT-Konzern (Motto: »Don’t be evil«; »Sei nicht böse«) inszenierte sich als Vorkämpfer für Redefreiheit und Liberalität. Anstatt die in China verbotenen Beiträge, um die es ging, entsprechend dem geltenden Recht aus der Internetsuche zu nehmen, zog Google mit Pauken und Trompeten von dannen, zieh die Volksrepublik der Unterdrückung und sonnte sich in der Rolle des ethischen Unternehmens.

In diesen acht Jahren hat sich China dann zum bedeutendsten Markt der Welt entwickelt. Mit seinen Algorithmen mag Google die USA, die EU und Kanada erfassen – gegen die 1,4 Milliarden Chinesen ist das ein Witz. Und während die riesigen Datenbestände die wahren Kronjuwelen des Netzes sind, kommt Google an die Asiaten, die sich wenig um abendländische Datenschutzfragen kümmern, nicht heran. Was hilft die Ethik, wenn andere das Geld machen?

Der Slogan »Don’t be evil« ist 2018 gestrichen worden. Presseberichten zufolge will Google nun doch zurück und ist auch bereit, sich an die Gesetze zu halten. Glauben die denn wirklich, dass man sie in China noch braucht? Da sitzen die wirklich Großen des Internets. Sie heißen Sina Weibo, Tencent und Alibaba.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Harald Möller: Der Bessere setzt sich durch Was bedeutet denn in dem Zusammenhang das Wort »brauchen«? Es wird sich sicherlich auch in China derjenige durchsetzen, der dem Verbraucher das beste Produkt anbietet. Deshalb kann man erst, wenn sich...
Mehr aus: Ansichten