Aus: Ausgabe vom 01.08.2018, Seite 10 / Feuilleton

Holm, Albrecht, Wolf, Friedrich, Grashof

Von Jegor Jublimov
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»Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein.« Claus Holm (r.) in »Raumpatrouille« als Bordingenieur Leutnant Hasso Sigbjörnson

Zahlreiche Jubilare diese Woche, auch Hunderter! Der 1996 verstorbene Claus Holm wurde am Samstag vor 100 Jahren in Bochum geboren, hieß allerdings weder Claus noch Holm. Unter dem Künstlernamen wurde der ehemalige Bergmann und Boxmeister ein bekannter Schauspieler. Die Grundlage legte er bei der DEFA, wo er u. a. 1947 in »Ehe im Schatten« spielte, den er rückblickend als seinen besten Film bezeichnete. Ab Mitte der 50er Jahre arbeitete er im Westen, spielte 1959 in Fritz Langs Monumentalfilm »Das indische Grabmal«, den Artur Brauner produzierte, der wiederum heute seinen 100. Geburtstag feiern kann. Eine neue Fangemeinde erwarb sich Holm mit seiner Mitwirkung in der Science-fiction-Kultserie »Raumpatrouille« (1966), und bei den »Orion«-Freunden absolvierte er auch letzte Auftritte, solange es die Gesundheit zuließ.

In dem DEFA-Kultfilm »Heißer Sommer« (1967) war Chris Doerk zwar dabei, aber Regine Albrecht, die sich hier als »Brit« unsterblich gemacht hat, bekam am Ende Frank Schöbel. Am Freitag wäre die Schauspielerin, die auch viel synchronisierte und am Potsdamer Hans-Otto-Theater Regie führte, 70 Jahre alt geworden, starb jedoch leider vor fünf Jahren.

Zweimal hat Regine Albrecht in Filmen gespielt, für die Dr. Dieter Wolf als Dramaturg verantwortlich zeichnete. Nur eine Nebenrolle gab es für sie 1983 in dem skurrilen Alltagsfilm »Kaskade rückwärts«, eine Hauptrolle jedoch hatte sie 1966 in »Flucht ins Schweigen«. Nach einem Kriminalroman von Wolfgang Held schrieb ein Edmund Kiehl das Drehbuch, der in Wirklichkeit Rolf Schneider hieß und »die Lohnarbeit an einem DEFA-Gegenwartskrimi eher für rufschädigend hielt«, wie Dieter Wolf in seinem lesenswerten Buch »Gruppe Babelsberg« verriet. Die Dramaturgengruppe im Spielfilmstudio leitete der Bruder des Schriftstellers Gerhard Wolf 26 Jahre lang. Wenn er morgen seinen 85. Geburtstag feiert, kann er auf Erfolge wie »Mama, ich lebe« (Konrad Wolf, 1977) und »Einer trage des anderen Last« (Lothar Warneke, 1988) zurückblicken.

Nicht bei »Babelsberg«, sondern bei »Johannisthal« drehte Gunter Friedrich als Schauspieler und Regisseur Kino- und Fernsehfilme. Dem heute vor 80 Jahren in Zwickau geborenen Regisseur verdanken wir vor allem großartige Kinderfilme wie »Unternehmen Geigenkasten« (1984) und »Hasenherz« (1987), welche unbedingt wieder einmal gezeigt werden sollten.

Rainer Simons Märchenfilm »Sechse kommen durch die Welt« war 1971 das Kinodebüt von Christian Grashof, der damals gerade begann, sich zu dem großen Charakterdarsteller des Deutschen Theaters zu entwickeln, der er heute ist. Dem breiten Publikum wurde er in den Titelrollen von Benito Wogatzkis Mehrteiler »Broddi« (1975) und Horst Seemanns Johannes-Bobrowski-Verfilmung »Levins Mühle« (1980) ein Begriff. Heutzutage ist er durch unzählige Krimis bekannt. Zum 75. Geburtstag am Sonntag wünschen wir ihm bald bessere Stoffe!

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