Aus: Ausgabe vom 31.07.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Taxistas im Dauerausstand

Fahrer in Spanien kämpfen um ihre Existenz und gegen Vermittlungsplattformen wie Uber

RTX6CQ09.jpg
Die Wut muss raus: Streikende Taxifahrer in Barcelona attackieren ein Uber-Fahrzeug (25. Juli)

Schöne neue Internetökonomie. In vielen Großstädten kommt man mittlerweile mit Hilfe einer Smartphone-App bequem und unkompliziert von A nach B. Unternehmen wie Uber aus den USA bieten vielerorts online Dienstleistungen zur Personenbeförderung an. Über verschiedene Dienste der Firma wird die Kundschaft vor allem an private Fahrer mit eigenem oder Mietwagen vermittelt. Das Unternehmen erhebt dabei eine Provision von bis zu 20 Prozent des Fahrpreises. Im Jahr 2016 erzielte Uber so einen Umsatz von 6,5 Milliarden US-Dollar.

Nicht so schön ist diese Entwicklung hingegen für den Berufsstand der Taxifahrer. Diese sehen ihre Tätigkeit entwertet und fürchten angesichts der neuen Konkurrenz um ihre Existenz. In den letzten Jahren kam es deshalb wiederholt zu Protestaktionen. Eine neue Eskalationsstufe hat der Konflikt nun in Spanien erreicht. Um sich gegen eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Kataloniens, wonach Firmen wie Uber oder Cabify in Barcelona ohne Einschränkung ihre Dienste anbieten dürfen, zur Wehr zu setzen, sind die Taxistas dort in einen unbefristeten Streik getreten. Sie kritisieren, dass ein Gesetz, das die Lizenzvergabe eigentlich stärker reglementieren soll, von der Regionalregierung nicht eingehalten werde und fordern, dass nun der Ministerrat in Madrid am kommenden Freitag die Vergabepraxis stoppen soll. Geht es nach den Taxifahrern, sollen künftig weniger Lizenzen an Fahrer der Vermittlungsplattformen vergeben werden.

Am Sonnabend blockierten die Streikenden mit ihren Fahrzeugen unter anderem die Gran Vía, eine der Hauptstraßen der katalanischen Metropole. Der Verkehr in Teilen der Stadt kam aufgrund der Blockade wichtiger Verbindungsstrecken zum Erliegen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich mehrere hundert Taxis an den Aktionen. Und die Fahrer sind bei der Wahl ihrer Kampfformen offenbar nicht sonderlich zimperlich: Wie tagesschau.de am selben Tag berichtete, griffen einige Streikende auch Autos der Konkurrenten Uber und Cabify an. Ein Pkw im Dienst von Uber sei gar umgeworfen worden. Die Proteste in Barcelona laufen bereits seit vergangenem Mittwoch, als die Taxifahrer zunächst für zwei Tage in den Ausstand getreten waren. In den Folgetagen wurden unter anderem mehrfach die Zufahrten zum Flughafen El Prat mit Barrikaden aus brennenden Autoreifen versperrt.

Der Existenzkampf der Taxistas hat sich bereits auf andere Städte ausgeweitet: So legten Fahrer in Madrid aus Solidarität ebenfalls die Arbeit nieder. Nach Medienberichten herrschte am Hauptbahnhof Atocha und am Flughafen Barajas am Wochenende gähnende Leere an den entsprechenden Ständen. In der Hauptstadt sei kein einziges Taxi unterwegs, erklärte die Fahrergewerkschaft am Sonnabend. Auch rund 300 Taxifahrer in Sevilla und dem Baskenland kündigten bereits an, sich ihren Kollegen in Barcelona anschließen und in einen unbefristeten Streik treten zu wollen. Stefan Thiel (mit dpa)

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Rainer Witschel: Fakten schaffen Auch in Berlin gehen die Auseinandersetzungen mit Uber weiter. Während Uber's ursprünglicher Versuch, das Taxigeschäft mit beliebigen Fahrern, die ein eigenes Auto haben, zu führen, gerichtlich verbot...

Ähnliche:

  • Das letzte Aufgebot (24.07.2018) Vor 80 Jahren kämpfte die Spanische Republik in der Schlacht am Ebro verzweifelt um ihr Überleben. Und verlor
  • Ruf nach der Republik (17.07.2018) Keine Zugeständnisse an Madrid: In Katalonien soll eine neue Organisation enstehen
  • Zweierlei Recht (10.07.2018) Die jüngste Verurteilung einiger baskischer Jugendlicher zu hohen Haftstrafen und die Anklagen gegen katalanische Politiker verdeutlichen den politischen Charakter der Justiz in Spanien – der Feind steht links

Regio:

Mehr aus: Betrieb & Gewerkschaft
  • Thüringer Rehaklinik geht weiter gegen Gewerkschafter vor. Eigentümer Orpea ist auch anderswo für aggressiven Kurs bekannt
    Daniel Behruzi