Aus: Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Angst vor China

Bundesbank: Wachsende Konkurrenz für deutsche Firmen aus der Volksrepublik

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Arbeiter produzieren Elektroautos für die staatliche chinesische BAIC-Gruppe (Beijing, 18.1.2016)

Die Bundesbank warnt vor wachsender Konkurrenz aus China. Der dortige »Schwenk zu höherwertigen Erzeugnissen« könnte deutsche Exporteure »verstärkt unter Wettbewerbsdruck setzen«, heißt es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Zentralbank.

Besonders im Bereich Elektroautos erwarten die Autoren Konkurrenz für die deutschen Hersteller. Außerdem könnten durch die stark steigenden Löhne in China Produkte in Deutschland teurer werden. Noch belaufe sich das Durchschnittseinkommen in China nur auf ein Viertel dessen, was in den USA gezahlt wird. Allerdings zog der monatliche Durchschnittslohn im verarbeitenden Gewerbe von 160 US-Dollar (137 Euro) im Jahr 2005 auf 800 Dollar (684 Euro) 2017 an. Deswegen seien etwa zahlreiche Textilfirmen in andere asiatische Niedriglohnländer wie Vietnam oder Bangladesch abgewandert. Wie lange die Arbeitskräfte dort noch so billig bleiben, dass die Firmen T-Shirts in Deutschland so günstig wie bisher verkaufen könnten, sei unklar.

Der mit den Löhnen steigende Konsum in China biete unterdessen eine gute Absatzchance für deutsche Exporteure. So bemühe sich Beijing zwar, den steigenden Bedarf aus eigener Produktion zu decken, doch seien deutsche Produkte, wie etwa Autos, nach wie vor stark gefragt. Den Kfz-Herstellern kämen dabei auch die Zollsenkungen seit Juli zugute. Auf dem großen chinesischen Markt für Elektrofahrzeuge spielen die deutschen Hersteller keine Rolle. Die Bundesbank erwartet, dass China mittelfristig seine E-Autos in großem Stil exportieren wird. Die Importe Chinas sind in den vergangenen Jahren ähnlich wie das dortige Wirtschaftswachstum nur noch vergleichsweise moderat gestiegen. Laut Bundesbank ist es deutschen Exporteuren aber bislang gelungen, ihren Marktanteil in China zu halten. Das werde aber zunehmend schwieriger. So verkaufen die deutschen Hersteller weniger Maschinen nach China, weil die Industrie dort nicht mehr so viel investiert. Dafür nimmt aber die Bedeutung von Halbleitern stark zu – die könne China noch nicht selber produzieren.

Die Gefahr einer Krise liege im Finanzsystem der Volksrepublik. In der Strategie für den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas sei es von zentraler Bedeutung gewesen, »Wichtige Wirtschaftsbereiche sollten günstig mit Kapital versorgt werden. Marktwirtschaftliche Prinzipien für die Kapitalallokation und die Haftung für eingegangene Risiken spielten demgegenüber eine untergeordnete Rolle.« Seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 habe das zunehmend der Wahrung der Finanzstabilität entgegengestanden. »Infolge der sehr expansiven Geldpolitik stieg die Verschuldung, insbesondere im Unternehmenssektor, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) massiv an. So nahmen die gesamten Kreditforderungen an den nichtfinanziellen privaten Sektor in den zehn Jahren bis Ende 2017 um über 90 Prozentpunkte auf 209 Prozent zu.« Die expansive Geldpolitik wird zunächst weiter verfolgt: Am Montag gab die chinesische Zentralbank bekannt, 74 Milliarden Dollar dem privaten Banksektor als Kredit zur Verfügung zu stellen, um die Binnennachfrage im Land anzukurbeln, berichtete die Financial Times. (AFP/jW)

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  • Wolfgang Herzig: Unschlagbar niedrig Warum haben die Wirtschaftsbosse Angst vor China? Stellt euch vor, die Chinesen produzieren qualitativ hochwertige Erzeugnisse! Das trifft uns ja hart. Aber anstatt Angst vor den Chinesen zu haben, so...

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