Aus: Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Quittung für Sanktionen

Höhere Zölle wirken sich auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten aus

Von Jörg Kronauer
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Leiden unter der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten: Sojabauern bei der Saat in Gideon, Missouri (16.5.2018)

US-Finanzminister Steven Mnuchin gab sich optimistisch. »Auf der Makroebene« hätten die Gegenmaßnahmen, die die EU, China und andere Länder gegen die US-Strafzölle getroffen hätten, »noch keine Auswirkungen auf das sehr positive Wachstum« der US-Wirtschaft, äußerte er auf dem Treffen der G-20-Finanzminister und -Notenbankchefs am Wochenende in Buenos Aires. In »sehr spezifischen« Bereichen gebe es Probleme, da müsse Washington unterstützend eingreifen. Alles in allem aber stünden die Dinge für die Vereinigten Staaten gut.

Es trifft zu: Nicht alles, was hierzulande als »Erfolg« der Vergeltungszölle gepriesen wird, hat mit ihnen zu tun. Harley Davidson etwa verlagert die Produktion nicht deshalb aus Kansas City nach Thailand, weil die Kultmaschinen jetzt in der EU teurer werden. Die Firma leidet darunter, dass die jüngere US-Generation nicht mehr so recht auf Harleys steht, und hat deswegen längst Kurs auf den Kampf um Auslandsmärkte vor allem in Asien genommen. Anders sieht es mit den EU-Gegenzöllen auf Whiskey aus, denen sich China angeschlossen hat. In Kentucky, wo annähernd der gesamte US-Bourbon hergestellt wird, wird die Whiskey-Produktion als wichtige Prestigebranche gesehen; sie ist in den letzten Jahren dank großer Nachfrage in Europa und in China deutlich gewachsen und muss nun damit rechnen, wieder gegenüber traditionellem Scotch zu verlieren. Das beginnt in dem US-Bundesstaat, den Trump 2016 gewann, auf die Stimmung zu drücken, zumal das Toyota-Werk in Kentuckys zweitgrößter Stadt Lexington – das größte weltweit – die wegen Trumps Strafzöllen angestiegenen Stahlpreise zu spüren beginnt. Auch im benachbarten Tennessee, dem zweitgrößten Kfz-Standort der USA, wo auch Jack Daniels produziert wird, sind inzwischen wütende Äußerungen über den Handelskrieg zu hören.

Als – vorerst – eines der wichtigsten Schlachtfelder im US-Handelskrieg könnte sich die US-Sojabranche erweisen. China, der mit großem Abstand bedeutendste Käufer des US-Produkts, hat seine Einfuhren dramatisch verringert und schwenkt vor allem auf Importe aus Brasilien um. In den USA quellen die Lager inzwischen über, der Preis ist im Keller. Das trifft die Farmer umso härter, als der Markt ohnehin unter der Überproduktion leidet; die Einkünfte der US-Sojahersteller hatten sich seit 2013 schon vor dem Beginn des Handelskriegs halbiert. Aktuell hat der Preisverfall dazu geführt, dass US-Sojafarmer neue Käufer finden. Freilich sind die äußerst niedrigen Preise, die das möglich machen, für die Landwirte auf Dauer nicht tragbar. Und richtig ernst wird es, wenn im Herbst die nächste Ernte nach Abnehmern sucht. Laut Umfragen halten die Farmer mehrheitlich noch zu Trump – in der Hoffnung, dessen Handelskrieg könne ihnen mittelfristig tatsächlich neue Märkte öffnen. Die Frage ist, wie lange die Stimmung hält. Um sicher zu gehen, hat Washington für den Herbst bereits erste Hilfsprogramme für die Bauern in Aussicht gestellt.

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