Aus: Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 1 / Titel

Krieg der Worte

US-Präsident Trump will Irans Ölexport zum Stillstand bringen. Konflikt um die Meerenge von Hormus

Von Knut Mellenthin
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Duell im Internet: Donald Trump drohte am Montag dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani mit »Konsequenzen«

Donald Trump verschärft den Wortkrieg gegen den Iran. Direkt an seinen Amtskollegen Hassan Rohani gewandt, twitterte der US-Präsident am Montag in Großbuchstaben: »Drohen Sie den Vereinigten Staaten niemals wieder, oder Sie werden Konsequenzen erleiden, wie sie in der Geschichte nur wenige jemals zuvor erlitten haben. Wir sind nicht länger ein Land, das sich Ihre wahnsinnigen Worte aus Gewalt und Tod gefallen lässt. Seien Sie vorsichtig!«

Trumps Drohung bezog sich offenbar auf eine Rede, die der iranische Präsident am Sonntag vor den Leitern der Auslandsvertretungen seines Landes gehalten hatte. Rohani hatte gesagt: »Irans Militärmacht dient der Abschreckung. Wir führen gegen niemand Krieg. Aber die Feinde müssen verstehen, dass Krieg mit dem Iran die Mutter aller Kriege ist und dass Frieden mit dem Iran die Mutter allen Friedens ist.«

»Die Mutter aller Kriege« ist eine Formulierung, die der irakische Staats- und Regierungschef Saddam Hussein im Januar 1991 kurz vor Beginn des Golfkrieges benutzt hatte. Die alte arabische Redewendung »Mutter aller …« bezieht sich auf Dinge, die durch ihren Umfang und ihre Stärke herausragen.

In seiner Rede sprach Rohani auch die militärische Option einer Sperrung der Meerenge von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman an. Der Webseite des Präsidenten zufolge sagte er: »Jeder, der ein bisschen von Politik versteht, wird nicht sagen, er werde Irans Ölexport zum Stillstand bringen. Wir haben eine Menge Meeresstraßen. Hormus ist nur eine von ihnen. Mr. Trump! Wir sind durch die Geschichte hin ein würdevolles Volk und die Garantiemacht für die Sicherheit der Wasserwege der Region. Spielen Sie nicht mit dem Schwanz des Löwen; Sie würden es bereuen.«

Durch die Straße von Hormus werden bis zu 40 Prozent des Weltverbrauchs an Erdöl und Erdgas transportiert. Von einer Sperrung der Meerenge, etwa durch Minen, wären Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain betroffen. Die beiden Fahrrinnen sind nur jeweils drei Kilometer breit. Die Möglichkeit einer Sperrung im Fall eines von den USA erzwungenen Stopps der iranischen Ölausfuhr hatte Rohani erstmals schon am 2. Juli angedeutet, als er während eines Staatsbesuchs in der Schweiz vor dort lebenden Landsleuten sprach. Obwohl die Worte des Präsidenten bewusst uneindeutig waren, hatten mehrere Führer der »Revolutionsgarden« Rohani sofort beglückwünscht und sich zur Durchführung etwaiger Anordnungen bereit erklärt.

Das Ziel der Militärs war offenbar, den als schwach und unentschlossen betrachteten Präsidenten auf diese Option »festzunageln«. In Wirklichkeit dürfte aber allen Beteiligten bewusst sein, dass jede Aktion zur Abriegelung der Meerenge erstens auf Krieg mit den USA und deren Verbündeten in der Region hinauslaufen und zweitens wahrscheinlich die gute Zusammenarbeit Irans mit Russland und China stören würde. In der Hauptsache geht es, wie bei den Drohungen mit einer verstärkten Wiederaufnahme der Urananreicherung, um innenpolitische Ablenkungsmanöver.

Die US-Regierung hatte alle Staaten, die iranisches Öl kaufen, aufgefordert, ihre Importe bis zum 4. November »auf null herunterzubringen«. Dadurch könnten dem Weltmarkt bis zu zwei Millionen Barrel täglich verlorengehen.

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