• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 21.07.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Mexikanische Spiegeleier mit Tomaten

Von Ina Bösecke

Für »Die Vergessenen« (Mexiko, 1950) erhielt Luis Buñuel 1951 beim Festival in Cannes den Preis für die beste Regie. Es war seine erste internationale Anerkennung. Der Film zeigt kein Erbarmen. Weder für die Zuschauer noch für die Protagonisten. Wir tauchen ein in das Leben einer Jugendbande, die ihre sadistisch-existentiellen Späßchen in den Armenvierteln von Mexiko-Stadt treibt. Ein blinder Musiker wird ausgeraubt und dabei wird so oft auf seine Trommel gesprungen, bis nichts mehr davon übrigbleibt. Einem Mann ohne Beine wird der fahrbare Untersatz weggenommen, natürlich auch das mühsam erbettelte Geld. Ein ehemaliges Bandenmitglied, das den Ausstieg geschafft hat und nun versucht, mit normaler Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wird erschlagen. Die Kinder und Jugendlichen, die so eisenhart drauf sind, werden schlecht behandelt. Entweder gibt es gar keine Eltern mehr oder nur solche, die ihre Kinder prügeln und demütigen.

Pedro (Alfonso Mejía) zum Beispiel: Ein Junge, der sich bemüht, aus dem Kreislauf von Diebstahl, Schlägerei und Erniedrigung wieder herauszukommen. Seine Mutter sagt ihm jeden Tag, was er für ein Nichtsnutz ist. Pedro sucht die Anerkennung und Liebe seiner Mutter, sie zeigt ihm nur die kalte Schulter. Eine anständige Arbeit bei einem Schmied versaut ihm Jaibo (Roberto Cobo), der Anführer der Bande und der mit Abstand skrupelloseste unter den Skrupellosen. Er klaut in der Schmiede ein Messer, doch Pedro landet an seiner Stelle in einem Heim für schwererziehbare Kinder. Hier wird ihm zum ersten Mal Verständnis und Vertrauen entgegengebracht. Aber dann passt ihn Jaibo vor dem Tor ab und lotst ihn wieder zur Bande.

Buñuel zeigt Armut in ihrer schlimmsten Form: Es gibt keine Solidarität unter den Ausgebeuteten, keinen Kampf gegen die Verursacher der Misere. Die Kleinen machen sich gegenseitig noch kleiner. Und der Zuschauer darf nirgendwo Empathie entwickeln. Selbst der blinde Musiker entpuppt sich als fieser Lustmolch, der kleine Mädchen begrapscht, nachdem er ihnen Karamelbonbons angeboten hat. »Die Vergessenen« ist ein beeindruckender Film, den man gesehen haben sollte.

Mexikanische Spiegeleier mit Tomaten auf Maistortillas: Eine weiße Zwiebel und eine Knoblauchzehe schälen und fein hacken. 400 g Tomaten häuten, vierteln und in kleine Würfel schneiden. Vier frische grüne Chilischoten längs halbieren, entkernen und fein hacken. In einer tiefen Pfanne zwei EL Öl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin anschwitzen. Chilischoten und Tomaten zugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und 20 Minuten dünsten. Inzwischen vier Maistortillas in etwas Öl auf beiden Seiten knusprig ausbacken. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Tortillas in eine große feuerfeste Schale legen. Das Tomatengemüse darüber verteilen und mit einer Schöpfkelle vier Mulden hineindrücken. In jede Mulde ein Ei schlagen, mit 100 g geriebenem Hartkäse bestreuen und zwei EL zerlassene Butter darübergeben. Im heißen Ofen 10 bis 15 Minuten überbacken, bis die Eier gestockt sind und der Käse geschmolzen ist. In der Form auftragen.

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