Aus: Ausgabe vom 21.07.2018, Seite 2 / Ausland

¡No Pasarán!

Hunderttausende feiern 39. Jahrestag der Revolution in Nicaragua

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Rot-schwarze und blau-weiß-blaue Fahnen dominierten am Donnerstag das Zentrum von Managua

Hunderttausende Menschen haben am Donnerstag (Ortszeit) in Managua den 39. Jahrestag der Revolution von 1979 gefeiert. Ein unüberschaubares Meer aus rot-schwarzen Bannern der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN und blau-weiß-blauen Fahnen Nicaraguas füllte die Plaza La Fe im Zentrum der Hauptstadt. Die alten Lieder der Revolution schallten aus den Lautsprechern, immer wieder Slogans wie »¡No Pasarán!« (Sie werden nicht durchkommen) und Hochrufe auf den »Comandante Daniel«, wie Präsident Ortega von seinen Anhängern im Rückgriff auf dessen Zeit als Anführer der FSLN im Kampf gegen den Diktator Anastasio Somoza genannt wird. Auch in zahlreichen anderen Städten des Landes gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, um an das Jubiläum zu erinnern. Am 19. Juli 1979, zwei Tage nach der Flucht des Diktators, waren die Kämpfer der Sandinistischen Befreiungsfront in Managua eingezogen.

In ihren Ansprachen versicherten Kubas Außenminister Bruno Rodríguez und sein venezolanischer Amtskollege Jorge Arreaza dem Volk Nicaraguas ihre Solidarität. Arreaza zog eine Parallele zwischen den Ereignissen der vergangenen Monate in Nicaragua und denen, die im vergangenen Jahr Venezuela erschüttert hatten: »Der Imperialismus ist verwundet, aber wie jedes wilde Tier ist er gefährlich. Wir müssen deshalb vereint handeln, unter einer klaren Führung wie es die der Sandinistischen Front des Comandante Ortega ist«, so der Minister. Sein kubanischer Amtskollege verurteilte die terroristischen Gewalttaten der vergangenen Wochen und rief zu einer friedlichen Beilegung der Konflikte auf. Zugleich wandte er sich gegen jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes durch äußere Mächte.

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega appellierte in seiner Rede an die katholischen Bischöfe des zentralamerikanischen Landes, »die putschistischen Dämonen auszutreiben«, damit der Frieden zurückkehre. Als Katholik habe er geglaubt, dass die Kirchenmänner zwischen beiden Seiten vermitteln würden, »aber sie waren Teil des Plans der Putschisten«. Anstatt Vorschläge zu unterbreiten, hätten ihm die Kleriker ein Ultimatum gestellt, abzutreten und ins Ausland zu gehen. »Wir werden uns nicht mit den Bischöfen anlegen, aber es ist an der Zeit, dass sie aufhören, diese teuflischen Putschisten zu verhätscheln.« Er erinnerte daran, dass in mehreren Kirchen Waffenlager entdeckt und Gotteshäuser als Stützpunkte für die militanten Regierungsgegner genutzt worden seien.

Vor Beginn seiner Rede hatte der Präsident eine Frau mit dem San­dino-Orden, der höchsten staatlichen Auszeichnung Nicaraguas, geehrt. Amada Pineda hat zwei ihrer Söhne verloren – einer starb vor dem Sieg der Revolution unter der Folter der Schergen der Somoza-Diktatur, ein zweiter wurde am 9. Juni 2018 von militanten Regierungsgegnern ermordet, als er eine Barrikade beseitigen wollte.(PL/AVN/jW)


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