Aus: Ausgabe vom 18.07.2018, Seite 7 / Ausland

Punktsieg für Putin

Nach dem Treffen mit Trump in Helsinki: Reaktionen in Russland und Osteuropa

Von Reinhard Lauterbach
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Russlands Präsident Wladimir Putin hört am Montag in Helsinki den Erklärungen Donald Trumps zu

Über eines sind sich die Kommentatoren in Osteuropa über alle Block- und Meinungsgrenzen hinweg einig: Aus dem Gipfeltreffen in Helsinki sei Wladimir Putin als eindeutiger Sieger hervorgegangen. Er müsse »mit Bedauern feststellen«, dass der russische Präsident gegen den US-amerikanischen »1:0 gewonnen« habe, sagte noch am Montag abend ein pensionierter polnischer Diplomat dem Infosender TVN 24. Trump habe in seinen innenpolitischen Nöten gute Miene zum bösen Spiel Putins machen müssen.

Auf der Pressekonferenz der beiden Präsidenten war es in gewisser Weise zu einer informellen Koalition gegen die »Hexenjäger« (Trump) aus der US-Justiz gekommen, die sich an der angeblichen russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf abarbeiten. Als Putin auf eine Journalistenfrage erwiderte, er habe selbst im Geheimdienst gearbeitet und wisse, wie man solche Dossiers anlege, war der Spott unüberhörbar. Der russische Präsident leistete sich sogar einen Versprecher, auf den das prowestliche ukrainische Intelligenzblatt Dserkalo Tishnja hinwies: »Wir haben das Referendum auf der Krim nach allen internationalen Standards durchgeführt.«

Die Moskauer Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez fragte im Anschluss an den Gipfel, wo denn »Trump der Flegel« geblieben sei, der Angela Merkel und Theresa May so frontal angegangen war. Gegenüber Putin habe sich der US-Präsident »handzahm« aufgeführt. Aber solcher Triumphalismus ist die Ausnahme. Die großen russischen Zeitungen bleiben zurückhaltend: Putin habe das Maximum des Erreichbaren erreicht, schrieb am Dienstag die Iswestija, und jetzt sei der Ball auch politisch auf der Seite Trumps. Der müsse sein heimisches Publikum davon überzeugen, dass gute Beziehungen zu Russland nützlich seien. Die Wirtschaftszeitung Kommersant kommentierte, beide Präsidenten hätten in ihre jeweiligen Öffentlichkeiten das Signal geschickt, dass der Tiefpunkt in den Beziehungen erreicht sei – jetzt könne es nur noch aufwärts gehen. Ein Rest von Skepsis blieb in den russischen Reaktionen aber spürbar. So schrieb das Portal Rusvesna, das die Volksrepubliken des Donbass unterstützt, Russland dürfe nie vergessen, dass der Feind umso gefährlicher sei, je breiter er grinse.

In der Ukraine hatte Präsident Petro Poroschenko schon vor dem Gipfel Trump und Putin aufgefordert, nichts die Ukraine Betreffendes ohne deren Beteiligung zu vereinbaren. Dass genau dies tatsächlich geschehen sei, ist ein in vielen ukrainischen Medien nach dem Treffen gehegter Verdacht. Es fiel tatsächlich auf, dass es Trump nicht für nötig hielt, der Bemerkung Putins, für Russland sei die Krim-Frage abgeschlossen, auf offener Bühne zu widersprechen. Das regierungskritische Portal strana.ua zitierte einen anonymen ukrainischen Diplomaten mit der Aussage, genau dieses weitgehende Schweigen beider Präsidenten über das Thema deute darauf hin, dass sie tatsächlich eine Einigung erzielt hätten. Nur sei es eine, über die vor den Präsidentschaftswahlen 2019 nicht öffentlich gesprochen werden solle. Die Tatsache, dass Trump beim G-7-Gipfel in Kanada die Ukraine als »eines der korruptesten Länder der Welt« bezeichnet hatte, kann tatsächlich die Vermutung stützen, dass die USA Poroschenko nicht unbedingt zu einer zweiten Amtszeit verhelfen wollen. Auf der anderen Seite der Waage steht die Tatsache, dass es die Trump-Administration ist, die die Belieferung der ukrainischen Armee mit »tödlichen Waffen« wie »Javelin«-Panzerfäusten tatsächlich begonnen hat.

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