Aus: Ausgabe vom 03.07.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Eisengießer im Dauerausstand

Bereits seit fast drei Wochen wird der Autozulieferer Halberg-Guss bestreikt

Von Stefan Thiel
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Wehren sich weiter gegen Werksschließung und Stellenvernichtung: die Arbeiter von Halberg-Guss in Leipzig

Es ist wieder etwas ruhiger geworden vor der Eisengießerei an der Merseburger Landstraße im Leipziger Westen. Nachdem sich die Situation am Werk des Autozulieferers Neue Halberg-Guss GmbH in der vergangenen Woche wegen der zeitweisen Blockade der Gießerei durch streikende Arbeiter deutlich verschärft hatte (jW berichtete), herrschte am Sonnabend fast schon eine entspannte Atmosphäre.

Die Streikposten an den Zufahrten zum Werk und zum Nachbargelände, auf dem sich das Streikzelt befindet, hatten es sich zum Teil in Gartenstühlen gemütlich gemacht, etliche Beschäftigte ihre Familien mitgebracht. Neben Mitgliedern des antifaschistischen Motorradclubs Kuhle Wampe war an diesem Tag auch der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zum »Solidaritätsbesuch« erschienen.

Dulig geißelte die beabsichtigte Schließung der Leipziger Fabrik mit ihren insgesamt rund 700 Beschäftigten und den geplanten Abbau von 300 der 1.500 Arbeitsplätze im Stammwerk von Halberg-Guss in Saarbrücken vor den Arbeitern als »puren Raubtierkapitalismus«. Die sächsische Staatsregierung stehe an ihrer Seite und mit der Landesregierung im Saarland im ständigen Kontakt, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, so der Minister. Bereits am Donnerstag war der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (ebenfalls SPD) zum Schaulaufen vor Ort gewesen.

Die Landes- und Lokalpolitik kommt dabei relativ spät in die Puschen. Schließlich absolvierten die Eisengießer am Sonnabend bereits ihren 17. Streiktag. Mit dem seit 14. Juni laufenden Dauerausstand, an dem sich auch die Gießer in Saarbrücken beteiligen, will die IG Metall für den Fall der von der Kapitalseite für Ende 2019 angekündigten Werksschließung zumindest einen möglichst guten Sozialtarifvertrag durchsetzen. Sie fordert deshalb unter anderem eine Qualifizierungsgesellschaft und einen vom Unternehmen finanzierten Fonds, aus dem Abfindungen und Vermittlungsmaßnahmen bezahlt werden sollen.

Hintergrund des Konflikts ist ein Streit zwischen dem Eigentümer Prevent und VW um Lieferpreise. Prevent hatte Halberg-Guss Anfang des Jahres übernommen und versucht nun offenbar, mittels des Zulieferers Druck auf VW auszuüben – zu Lasten der Arbeiter.

Auch wenn die Blockade des Leipziger Werkes vergangenen Dienstag aufgrund einer einstweiligen Verfügung des örtlichen Arbeitsgerichts aufgegeben werden musste: Die von den Autokonzernen dringend benötigten Motorblöcke und Zylinderköpfe verlassen das Lager derzeit trotzdem nicht. Nach Angaben der IG Metall wurde die Halle mittlerweile gesperrt und ein Verladen der Teile auf Lkw untersagt. Die Arbeitssicherheit sei nicht gewährleistet. Wie der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Leipzig, Bernd Kruppa, am Sonnabend vor Ort gegenüber jW bestätigte, hat dies die zuständige Landesdirektion am Freitag so entschieden.

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