Aus: Ausgabe vom 02.07.2018, Seite 4 / Inland

Rechts als links vermarktet

Lobgesänge auf AfD und Co.: Leipziger Bündnis ruft zum Boykott des Conne Island auf

Von Susan Bonath
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Proteste des rassistischen Legida-Bündnisses in Leipzig 2016: Nicht nur Rechte feiern Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban

Die jüngsten neurechten Umtriebe im Leipziger Jugend- und Kulturzentrum Conne Island (siehe auch jW vom 25. Mai) hinterlassen Spuren. Die »Initiative für eine linke Gegenkultur« ruft politische und Musikgruppen dazu auf, das als linksalternativ geltende, selbstverwaltete Projekt zu boykottieren. Der Klub gebe »Referenten eine Bühne, die dort die AfD abfeiern, gegen ›Linkskartelle‹ wettern und im Jargon der neuen Rechten gegen den Islam hetzen«, heißt es. Während Rechte auf der Straße und ideologisch auf dem Vormarsch seien, werde im »vorgeblich antifaschistischen Conne Island« daran mitgewirkt, deren Positionen mit einem vermeintlich linken Anstrich salonfähig zu machen.

Hintergrund ist die Veranstaltungsreihe »70 Jahre Israel« im Frühjahr. In ihrem Rahmen dieser referierte auch der Autor der »antideutschen« Zeitschrift Bahamas, Thomas Maul. Zunächst sollte er in der Leipziger Universität auftreten. Die zog ihre Einwilligung zurück, nachdem Maul eine Rede von AfD-Chef Alexander Gauland zum Thema Israel auf seiner Facebook-Seite verbreitet hatte. Die AfD erscheine, schrieb Maul damals, »objektiv als einzige Stimme der Restvernunft«. Sie sei von »Wahrhaftigkeit« geprägt und werde »wahnhaft dämonisiert«. Nach der Absage sprang das Conne Island bereitwillig ein. Dort wurde Maul am 28. Mai noch direkter: Zu Recht lobe Beatrix von Storch (AfD) die repressive Flüchtlingspolitik Viktor Orbans in Ungarn, erklärte er. Und: Da wahrer Antifaschismus der Antiislamismus sei, mache »die AfD eine antifaschistische Volksfront überflüssig«.

Aus Sicht der Initiative sind solche Äußerungen nur »der traurige Höhepunkt einer jahrelangen Rechtsentwicklung«. Sprecherin Marina Hinrichs sagte am Freitag gegenüber jW: »Die Zeitschrift Bahamas gehört im Conne Island schon lange zur Pflichtlektüre.« Besonders fragwürdig sei auch die Rolle von Bahamas-Autor Sören Pünjer, der von 1992 bis 2001 Geschäftsführer im Conne Island war, »aber bis heute dort ein und ausgeht«. »Er promotete schon vor Jahren die rechtsextreme Hooligangruppe ›English Defence League‹ und die rechtspopulistische FPÖ in Österreich«, erklärte Hinrichs. Auch auf der Webseite »3D.antideutsch.com« machte Pünjer in einem undatierten Interview keinen Hehl aus seiner Gesinnung. Darin bezeichnet er Neofaschisten als »von links Getriebene«, was Demonstrationen gegen sie »immer lächerlicher und überflüssiger« mache.

»Es ist überfällig, gegen die bedenkliche Entwicklung zu steuern«, erklärte Hinrichs. Im Conne Island fänden regelmäßig Veranstaltungen mit bekannten linken Bands statt. »Vielen ist dabei gar nicht bewusst, wo sie da eigentlich auftreten«, sagte sie. »Die linke Szene ist im Bezug auf ›Antideutsche‹ viel zu unkritisch.«In der Plagwitzer Szenekneipe »Felsenkeller«, die ebenfalls als linke Bastion gilt, tagte im Mai die Bahamas-Konferenz. Was dort aktive »Antideutsche« mit extrem Rechten eine, sei »ihr Hass auf angeblichen Islamfaschismus und die antirassistische Linke«, so die Initiative. Das wusste im März auch Martin Sellner, Chefagitator der neofaschistischen »Identitären Bewegung« (IB), zu schätzen. In einem Video lobte er die Zeitschrift Bahamas als »hochinteressant«. Sie teile etwa die Kritik der IB, wonach die Einwanderung arabischer und afrikanischer Muslime mit der »europäischen Kultur« nicht vereinbar sei. Hinrichs dazu: »Linke müssen Antideutsche endlich als das erkennen, was sie sind: Rechte, die sich links vermarkten.«

Gegendarstellung

In diesem Artikel heißt es:

»Dort wurde Maul am 28. Mai noch direkter: Zu Recht lobe Beatrix von Storch (AfD) die repressive Flüchtlingspolitik Viktor Orbans in Ungarn, erklärte er. Und: Da wahrer Antifaschismus der Antiislamismus sei, mache ›die AfD eine antifaschistische Volksfront überflüssig‹.«

Diese Aussage ist falsch.

Tatsächlich habe ich in meinem Vortrag an keiner Stelle Frau v. Storchs Lob der Flüchtlingspolitik von Viktor Orban zugestimmt. Das im Vortrag zitierte Lob der Flüchtlingspolitik Viktor Orbans durch Frau von Storch habe ich kritisiert. Die mir in den Mund gelegte und mit Gänsefüßchen als Zitat ausgegebene Äußerung »mache ›die AfD eine antifaschistische Volksfront überflüssig‹« wurde nicht getätigt.

Berlin, den 10.08.2018, Thomas Maul

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