Aus: Ausgabe vom 30.06.2018, Seite 4 (Beilage) / Fotoreportagen

Kleines Wunder

Vor Comeback: Berlin erlebte Solikonzert für den Erhalt des Kulturmagazins Melodie und Rhythmus

Von Peter Steiniger
»Poesie und Politik« war das Motto des Konzerts am 22 Juni in Berlin. Gitarrist Nicolás Miquea und Liedermacher Tobias Thiele verbinden beides in ihren Repertoires
Das rockt: Strom & Wasser spielen gegen das Aufkommen des Neofaschismus an
120 Gäste erlebten das Solikonzert in der Wabe. Rockradio.de übertrug live
Christa Weber als Frau Kapital mit Szenen aus dem neuen Stück des Herzog-Weber-Musiktheaters
Christof Herzog spielte Dr. Marx. Der war auch sonst sehr präsent
Rettungsmission vorantreiben, Bollwerk gegen reaktionären Zeitgeist erhalten: M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl
Die Wabe war auch ein Ort für Gespräche unter Gleichgesinnten
Calum Baird kam aus Schottland zum Solikonzert. In seinen Folk-Blues-Songs greift er Fragen der Zeit auf
Der antikapitalistische Rapper Tapete schöpft für seine Texte aus der sozialen Wirklichkeit
Die Spoken-Word-Künstlerin Faten El-Dabbas erhielt viel Beifall
Ohne Strukturen rührt sich nichts: Linke Medien und fortschrittliche Kultur gehören zusammen
Den Laden zumachen oder nachladen? M&R könnte wieder auf die Beine kommen

Linke Kultur kann im leeren Raum nichts bewirken. Sie benötigt Strukturen. Diese brauchen eine materielle Grundlage. Vor einem vollen Saal im Kulturhaus Wabe im Berliner Ernst-Thälmann-Park wurde am Abend des 22. Juni dafür getrommelt, musiziert und gespielt. Etwa 120 Gäste waren beim Solikonzert für den Erhalt der Zeitschrift Melodie & Rhythmus aus dem Verlag 8. Mai dabei. Ein langer Abend, von vielen meist jüngeren Künstlern unterschiedlicher Genres kurzweilig gestaltet. Poetry Slam traf auf Theater, Lyrik auf Musik. Zwischen den Auftritten wurden Videobotschaften von Künstlern und Intellektuellen aus dem In- und Ausland eingespielt. Friedemann, Sänger der Punkband Cor, nennt in seiner Stellungnahme die M&R einen »guten Partner«. Weil dieses Magazin Fragen aus einer anderen Perspektive als der der Unterhaltungsindustrie stelle, eine Musik fördere, »bei der es nicht immer nur um die Kohle geht«.

Doch das kostet. Die Kampagne, mit der um die für eine Wiederauferstehung des »Magazins für Gegenkultur« nötigen Anzeigenkunden und neuen Leser geworben wird, konnte mit einer Zwischenbilanz aufwarten, die dafür viel Hoffnung macht. Die bis zum 30. Juni angestrebte Marke von 1.000 Perspektivabos ist bereits klar überschritten, nun wurde das Ziel weiter gesteckt. Noch in diesem Jahr könnte so die nächste Ausgabe erscheinen, die Geschichte des traditionsreichen Titels im kommenden Jahr mit vier Ausgaben fortgeschrieben werden. Chefredakteurin Susann Witt-Stahl will mit der M&R weiter Opposition zum reaktionären Zeitgeist machen, »rechten Demagogen und Hetzern« mit ideologiekritischer Aufklärung entgegenwirken, den Mechanismen des üblichen Kulturbetriebs trotzen. Die internationale Perspektive und Kooperation bleibt dabei wichtig.

Sie sei »dankbar«, sagte Witt-Stahl in der Wabe, für die Welle an Zuspruch, Solidarität, »auch an Anstoß«, den sie erleben durfte. Denn fortschrittliche Kultur werde behindert oder vom Mainstream aufgesogen. »Wir müssen diese Rettungsmission vorantreiben!«, spornte die Hamburger Journalistin dazu an, eine Struktur zu erhalten, die noch eine Alternative bildet. Und welche Künstlerinnen und Künstler zusammenführt, die »die Idee teilen, dass eine andere Welt möglich ist«, wie es Alexander Weinel von Cressy Jaw in der Wabe ausdrückte. Bei ihrem »wahrscheinlich ersten bestuhlten Konzert« riss das Crossover-Trio mit seinen kraftvollen Beats doch so einige von den Sitzen. Weiter den Arsch hoch für die M&R, das war ja auch die Botschaft dieses Abends.

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