Aus: Ausgabe vom 30.06.2018, Seite 1 / Inland

14 Tote durch Polizeikugeln im Jahr 2017

Statistik: Alle fünf Tage schießt ein Polizist auf einen Menschen

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Ab wie vielen Toten durch Polizeikugeln gilt Grund zur Beunruhigung?

Polizisten haben im vergangenen Jahr 14 Menschen in der Bundesrepublik erschossen. Zudem seien 39 Menschen durch Polizeischüsse verletzt worden. Die Zahlen stammen aus einer Erhebung der »Deutschen Hochschule der Polizei« in Münster, die am Freitag veröffentlicht wurden. Demnach steigen die Zahlen seit einigen Jahren kontinuierlich – auf geringem Niveau, wie die Deutsche Presseagentur glaubte, es formulieren zu müssen.

2017 haben Polizisten demnach insgesamt 75mal auf Menschen geschossen. Das entspricht rein rechnerisch einem Schuss alle fünf Tage. Den Angaben zufolge hätten in 13 der 14 Todesfälle Polizisten aus Notwehr oder Nothilfe abgedrückt. In einem Fall sei Fluchtvereitelung der Grund für den tödlichen Schuss gewesen.

Mit dem Bekanntwerden der Zahlen gingen zugleich Relativierungsversuche von Verantwortlichen einher. Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) verwies auf zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte. Wenn jemand auf kurzer Distanz mit einem Messer bedroht werde, befinde er sich in einer lebensbedrohlichen Situation. »Auf einen Menschen zu schießen und ihn dabei eventuell zu töten, ist für jeden Polizisten und für jede Polizistin eine persönliche Tragödie«, sagte er – wobei die Tragik für die Opfer von Polizeigewalt oder deren Angehörigen offenbar nicht gemeint war.

Wenig überraschend hatte auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sofort eine Erklärung parat. Auch er verwies auf Angriffe mit Messern auf Polizisten, um im gleichen Atemzug Nachrüstungen für die Beamten zu fordern. Diesen fehle es an Elektroschockgeräten. »Mit ihnen ließe sich sicherlich der Einsatz der Schusswaffe in dem einen oder anderen Fall umgehen«, so Wendt.

Der Erhebung zufolge starben 2016 elf Menschen durch Polizeischüsse, 28 wurden verletzt. 2015 waren es zehn Tote und 22 Verletzte. Noch öfter als auf Menschen schießen Polizisten demnach auf Tiere. Für das vergangene Jahr zählte die Polizeihochschule 13.400 Fälle, bei denen gefährliche, kranke oder verletzte Tiere durch Polizeikugeln getötet wurden. (dpa/jW)

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