Aus: Ausgabe vom 28.06.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Gundermann im Radio

Zu jW vom 21.6.: »Erinnerung für die Zukunft«

Zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann sollte jW auch hierauf hinweisen: »Fliedertee-radio.de« – das ist der hörenswerte Internetsender, der sich dem Erbe von Gerhard Gundermann verpflichtet fühlt (…). Internationale Folkmusik und Rockklassiker, Ostrock, politische Lieder und selbstverständlich alle Aufnahmen von Gerhard Gundermann – ein (…) vielfältiges Repertoire (…) wird an allen Tagen rund um die Uhr gesendet. (…) Neue Mitstreiter werden immer gesucht.

Sarah Rosenstern, Salzburg/Berlin

Alternative verteufelt

Zu jW vom 22.6.: »Atomausstieg gab’s nie« und »Sackgasse Wasserstoffwirtschaft«

(…) Die Artikel zum Thema Wasserstoffwirtschaft (…) lassen zweifeln, ob sich der Autor überhaupt näher mit den technologischen Hintergründen befasst hat. Tatsächlich ist der Einsatz von Wasserstoff als Energiespeicher und -überträger sehr sinnvoll, denn er eröffnet die Möglichkeit, das vorhandene Gasnetz für (z. B. aus Windstrom erzeugtem) Wasserstoff zu nutzen. (…) Statt dessen konstruiert sich der Autor eine »Wasserstoffcommunity«, die treibend gewesen sein soll für diverse Atomprojekte, unter anderem für das gescheiterte Vorhaben eines Hochtemperatur- bzw. Graphit-Kugelhaufenreaktors. Mit Wasserstoffgewinnung hatte der jedoch wenig zu tun, es ging um Stromerzeugung. Allerdings mit dem Nebeneffekt, dass bei geringer Modifikation auch kernwaffengeeignetes Plutonium-239 oder Uran-233 hätte produziert werden können. (…) Der Industrielle Hermann Josef Werhahn und der Atomphysiker Rudolf Schulten waren tatsächlich führend am Aufbau der deutschen Atomwirtschaft beteiligt, und dabei ging und geht es nicht nur um Energie, sondern auch um einen hartnäckig verfolgten Weg hin zu einer deutschen Atombewaffnung. Dass man mit Atomstrom auch Wasserstoff produzieren kann, war immer nur ein Randthema. Warum nun der Autor die sicher sinnvolle Wasserstoffelektrolyse aus regenerativer Energie verteufeln will, bleibt ein Rätsel.

Ralph Griesinger, Bissendorf

Kein Schimpfwort

Zu jW vom 25.6.: »Da muss man erst mal würgen«

Der Verfasser der Kolumne schreibt, der von serbischen Fußballfans verwendete Begriff »Siptara« für Kosovo-»Albaner« sei eine »rassistische Beleidigung«. Die Kosovo-»Albaner« sind aber nichts anderes als die »Skipetaren« Karl Mays, und sie bezeichnen sich auch selber als »Shiptari«. Die Bezeichnung Kosovo-»Albaner« ist wohl eine neuere Erfindung der westlichen Medien, die vor dem NATO-unterstützten Sezessionskrieg verwendet wurde. Das ist ungefähr so sinnhaft, wie die Tiroler als »Österreich-Bayern« zu bezeichnen. Später wurde dieser Begriff ersetzt durch das Wort »Kosovaren«. Wenn eine dieser ganzen Bezeichnungen rassistisch ist, dann diese, denn mit ihr wird unterschwellig suggeriert, dass es außer dieser Volksgruppe keine anderen rechtmäßigen Bewohner dieser Provinz gibt, was ja auch der Meinung vieler völkisch-rassistischer Kosovo-»Albaner« entspricht. Analog wurden vorher bereits die muslimischen Bosniaken in Bosnien-Herzegowina als »Bosnier« bezeichnet, womit auch die serbischen und kroatischen Ethnien dieses Landes sprachlich als eigentlich dem »Staatsvolk« nicht zugehörig ausgegrenzt wurden. Richtig ist natürlich, dass Serben meist nicht gerade in liebevollem Ton von den Skipetaren sprechen, was aber durch die Geschichte der abgespaltenen serbischen Provinz Kosovo, insbesondere die Entwicklung seit den 70er Jahren, zu erklären und zu verstehen ist. (…)

Helmut Groß, Bad Tölz

»Heimat« nicht Rechten überlassen

Zu jW vom 22.6.: »›Wir erleben gerade einen rechten Putsch‹«

Der Aufruf heißt wörtlich »Solidarität statt Heimat« – und nicht, wie im Teaser vermerkt, »Solidarität statt Hetze«. Und da frage ich, muss ich meine erste, zweite, dritte Heimat aufgeben für »Solidarität«? Sind das Gegensätze, die sich ausschließen? (…) Ist nicht Heimat die Grundlage dafür, dass wir vor Ort solidarisch sein können, mit Migranten, Flüchtlingen und allen anderen, die bei uns ankommen? (…) Soll ich den Heimat-Begriff verschenken, nur weil ihn Rechte instrumentalisieren? Sollen wir (…) den Heimat-Begriff den Rechten einfach so überlassen? (…)

Dagmar Dörper (diese Zuschrift erreichte uns über die neue Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Naziparolen von links

Zu jW vom 22.6.: »›Wir erleben gerade einen rechten Putsch‹«

Offensichtlich ist der Aufruf zur Solidarität dringend nötig, denn als Reaktion darauf schreibt jemand online an die jW von einem »Arbeitslosen mit berechtigter Empörung, dass in seinem Betrieb in großem Stil deutsche Beschäftigte entlassen und gegen Rumänen und Bulgaren ausgetauscht wurden, um Kosten zu sparen«. 1.) Der »Arbeitslose« wird hier offensichtlich mit dem Kapitalisten identifiziert, dem der Betrieb gehört. Es wäre neu, dass es in Deutschland Betriebe gibt, die auch den Arbeitslosen gehören. Dann hätten wir ja schon Sozialismus! 2.) Wenn Rumänen und Bulgaren besser und fleißiger arbeiten als viele Deutsche, ist es nur folgerichtig, dass diese auch bevorzugt eingestellt werden. Darüber sich zu empören ist nicht »berechtigt«, sondern rassistisch. (…) »Deutsche Arbeitsplätze für Deutsche« ist die Parole der NPD. (…) 3.) Wenn es Rumänen und Bulgaren gibt, die »Kosten sparen«, (…) dann sind sie damit doch nicht anders als solche Deutsche, die ebenfalls nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Wer sich unter Tarif verkauft, den könnte man nach dem Vorbild von Jack Londons berühmtem Text über Streikbrecher gesellschaftlich ächten. Aber so zu tun, als beträfe dies nur Rumänen und Bulgaren, ist eben ein rassistisches Vorurteil. Werben wir die rumänischen und bulgarischen Kollegen für unsere Gewerkschaften und führen wir mit ihnen solidarisch und gemeinsam den Kampf um gerechten Tariflohn! Die Solidarität der Arbeiterklasse ist international!

Ralf Cüppers, Flensburg

Führen wir gemeinsam mit den rumänischen und bulgarischen Kollegen den Kampf um gerechten Tariflohn! Die Solidarität der Arbeiterklasse ist international!

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