• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 23.06.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Spanischer Langustentopf

Von Ina Bösecke

Der Film »Die Zunge der Schmetterlinge« (Spanien 1999) von José Luis Cuerda (nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Manuel Rivas) zeigt das Leben in einer galicischen Kleinstadt vor dem Spanischen Bürgerkrieg. Hauptsächlich geht es um den kleinen Moncho (Manuel Lozano), der wegen eines Lungenleidens erst mitten im Schuljahr eingeschult wird. Sein älterer Bruder erzählt ihm vor dem Einschlafen, dass die Lehrer Schüler schlagen, wenn sie nicht aufpassen. Aber gerade ein Lehrer wird es dann sein, der Moncho das Leben in der Schule angenehm macht. Don Gregorio (Fernando Fernán Gómez) ist ein alter, weiser Mann, der Kinder im humboldtschen Sinne allumfassend unterrichtet. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen ist es eben auch wichtig zu wissen, was allgemein in der Natur passiert und speziell wie Schmetterlinge so ticken.

Schulepisoden wechseln mit kleinen Geschichten des Alltags der Familie und ihrer Freunde. Die Kinder verfolgen einen Mann auf dem Weg zu seiner Geliebten und sehen, wie der Hund der Frau das Liebesleben stört. Der Bruder von Moncho lernt Klarinette, kann dieses Instrument aber erst richtig spielen, als er sich in ein Mädchen verliebt. Ein idyllisches Kostümfest wird gezeigt. Doch eines Tages besetzen die Faschisten die Stadt und sperren die Republikaner, unter ihnen Don Gregorio, ins Schulgebäude ein. Auch Monchos Vater ist bis dahin Republikaner gewesen, die Mutter verbrennt aber alle Indizien hierfür und trichtert den Kindern ein, sie sollten vorgeben, nie von diesen Ideen gehört zu haben. Verstörend ist die letzte Szene des Films, wenn die Republikaner auf Lastwagen aus der Stadt gefahren werden unter den Augen der Bewohner, die sie beschimpfen, zum Teil hasserfüllt, zum Teil gezwungen, um die eigene Haut zu retten. Moncho wirft mit den anderen Kindern zusammen Steine auf die Männer, auch auf seinen geliebten Lehrer. Die Mutter verlangt es von ihm, und er macht es. Warum, bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen. Der Riss innerhalb der spanischen Gesellschaft im Bürgerkrieg und dann unter Francos Regime bleibt bis heute unaufgearbeitet im kollektiven Gedächtnis der Spanier bestehen.

Spanischer Langustentopf auf Weißbrotscheiben: Fünf Schalotten und drei Knoblauchzehen schälen, 500 g Tomaten enthäuten, vierteln und entkernen. Alles in kleine Würfel schneiden. 100 ml Olivenöl in einer Kasserolle erhitzen. Die Schalotten und den Knoblauch darin goldbraun anbraten. Die Tomaten dazugeben und kurz anschmoren. Mit 4 cl spanischem Brandy ablöschen, einen halben Liter Fischfond angießen, ein Lorbeerblatt und ein Kräutersträußchen (mit Petersilie, Thymian und Estragon) einlegen und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Sauce bei mittlerer Hitze ca. 30 Minuten dickflüssig einkochen. Inzwischen zwei große gekochte Langusten der Länge nach halbieren und mit dem Panzer in Portionsstücke schneiden. Lorbeerblatt und Kräutersträußchen aus der Sauce entfernen und die Langustenstücke einlegen. In der Sauce erwärmen, aber nicht mehr kochen. Eintopf mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Vier dünne Scheiben Weißbrot toasten und vier Suppenteller damit auslegen. Langustenstücke und Sauce darüber verteilen.

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