Aus: Ausgabe vom 15.06.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Stille nach dem Schuss

WM-Endspiele 1974, 2014 | ARD (Youtube)

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Ruud Krol (r.) kommt zu spät: »Bonhof ... Müller ... und Zweieins!«

»Noch zögernd, wartend und abtastend, so beginnen sich die Niederländer in die Nähe des deutschen Strafraums zu bewegen …« So begann Rudi Michel seine Moderation des WM-Finales 1974 in München für die ARD. Er sprach, wie die Niederländer begannen: Was für eine Ruhe! Kein Rumgezeter und Ausrasten von Sportreportern, die sich als Gefühlsdiktatoren die Bilder zubrüllen wollen.

Damals waren Reporter schweigsame Leute. Sie machten nur ein paar höfliche Anmerkungen. So hörte sich das Siegtor an: »Ja, Grabowski spielt auf … Bonhof … Müller … und Zweieins!« Dann war Stille. Man sah die Zeitlupe und hörte nur den Stadionsprecher: »Niederlande – Bundesrepublik Deutschland 1:2, Torschütze Müller.«

Vergleichsweise abstoßend dagegen Tom Bartels beim Siegtor im Finale 2014: »Schürrle, der kommt an, mach ihn, mach ihn...er macht ihn! Mario Göööötze! Das ist doch Wahnsinn, und da ist gekommen dieser eine Moment für Mario Götze, da ist alles andere egal. Irre!« In der Tat. (cm)

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