Aus: Ausgabe vom 13.06.2018, Seite 10 / Feuilleton

Warmbrunn, Marian, Stankovski

Von Jegor Jublimov
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Erkennen Sie die Melodie? (Ernst Stankovski 1973 in Westberlin)

Was ist besser, den guten Onkel in herzallerliebsten Schmonzetten zu spielen oder den Fiesling in einem Kultfilm? Harald Warmbrunn, der gestern 85 wurde, wird wohl für immer als der schmierige Conférencier Benno Bohne aus Konrad Wolfs »Solo Sunny« in Erinnerung bleiben. Dieser Film wird auch in 100 Jahren noch gezeigt. Allerdings wird man Warmbrunns rund 100 andere Nebenrollen dann kaum noch kennen. Der Berliner begann in einem Arbeitertheater und wurde schon während des Schauspielstudiums von der DEFA entdeckt. Er spielte Arbeiter und faschistische Schergen, Ärzte, Förster und Inspektoren in Gegenwarts- wie historischen Stoffen. Dazu kamen ungezählte Rollen an der Berliner Volksbühne zwischen 1967 und 2011. Trotz gesundheitlicher Probleme steht er noch ab und an vor der Kamera, letztens etwa in dem antifaschistischen Spielfilm »Der Hauptmann«.

Warmbrunns Kollege an der Volksbühne war Edwin Marian, der morgen 90 Jahre alt wird. Der gebürtige Pole (Marian ist sein bürgerlicher Vorname) konnte mit 18 Jahren ein Schauspielstudium in Weimar aufnehmen, kam über Leipzig nach Berlin, wo er der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang treu blieb, in Stücken von Zweig, Shaw oder Frisch spielte. Daneben war Marian in der FDJ engagiert, saß für sie im Friedensrat der DDR. Die FDJ war auch Thema des bedeutenden Fernsehmehrteilers »Der Sonne Glut« (1971), in dem Marian in einer Episodenrolle spielte, den er vor allem aber selbst geschrieben hatte. Auch als Kinderbuchautor ist er hervorgetreten. Warum Edwin Marian die DDR 1980 wirklich verließ, werden wir wohl erst aus seinen Memoiren erfahren. Engagiert blieb er auch im Westen. Sein Zweiteiler »Cortuga« über ein deutsches Ehepaar, das in Mittelamerika in einen politischen Umsturz verwickelt wird, wurde in Costa Rica gedreht. Unangenehme Wahrheiten über die USA bewirkten, dass die Drehgenehmigung widerrufen wurde. Es gab Festnahmen von Teammitgliedern, erst nach diplomatischen Interventionen konnte weitergearbeitet werden.

Auch in Österreich wird ein Publikumsliebling 90. Ernst Stankovski, als ZDF-Quizmaster in »Erkennen Sie die Melodie?« in Erinnerung, hat am Samstag Geburtstag. Kriegserfahrungen und die Judenverfolgung, die er in seinem Umfeld erlebte, ließen den jungen Wiener nach links rücken. Zu seinen Vorbildern zählte der Schauspieler Peter Sturm, der Buchenwald überlebt hatte. Stankovski besuchte ihn nach dessen Übersiedlung in der DDR. Was er hier mitbekam, brachte ihn nicht dazu, sich wie Sturm zum Kommunismus zu bekennen. Aber »irgendwie links« blieb der Schauspieler, der 2009 in Zittau an der Kinoverfilmung von George Taboris »Mein Kampf« in der Rolle des Rektors mitwirkte, denn doch bis heute.

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