Aus: Ausgabe vom 06.06.2018, Seite 15 / Antifa

Gegen Faschismus und Kapital

»Jahr des Widerstands« in den Niederlanden: Nationales Befreiungsmuseum hebt Anteil der Kommunisten hervor

Von Ulrich Schneider
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Dieses in der Ausstellung im Befreiungsmuseum in Groesbeek präsentierte Foto ist in der Zeit des landesweiten Aprilstreiks 1943 gegen Maßnahmen der deutschen Besatzer in den Niederlanden entstanden

Aktivitäten von Antifaschisten im Zweiten Weltkrieg ist im niederländischen »Jahr des Widerstands 2018« das zentrale Thema. Das Nationale Befreiungsmuseum in Groesbeek 1944–1945 hat zu diesem Anlass die Leistungen von Kommunisten ins Zentrum gerückt. Sie waren die ersten in den Niederlanden, die sich schon früh in den 1930er Jahren gegen den Faschismus engagierten und den Untergrundkampf in Deutschland unterstützten. Vom ersten Tag der deutschen Besetzung an – der Überfall der Wehrmacht auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg begann am 10. Mai 1940 – wurde die Kommunistische Partei der Niederlande (CPN) zu einer nationalen Widerstandsorganisation. Die illegale CPN zählte schon bald Tausende Kämpferinnen und Kämpfer, von denen viele bereits Erfahrungen hinsichtlich konspirativer Arbeit hatten.

Allerdings hatte die deutsche Gestapo einen Vorsprung. Schon in den 1930er Jahren hatte sie mit dem niederländischen Geheimdienst zusammengearbeitet und verfügte daher über umfangreiche Informationen über die niederländischen Kommunisten. Sie nutzte das gesammelte Material, um sie mit aller Härte zu verfolgen. Dennoch war die Partei überaus aktiv. Die Widerstandszeitung De Waarheid wurde 1940 im ganzen Land verbreitet. Und Kommunisten gelten auch als Urheber des Generalstreiks gegen die deutsche Besatzung im Februar 1941.

Unmittelbar nach der Befreiung genoss die CPN ein hohes Ansehen, auch dank ihrer Rolle im Widerstand. Dies war aber nur von kurzer Dauer, da in den Niederlanden bald der Antikommunismus des Kalten Krieges überwog. Ehemalige Widerständler gerieten erneut ins Visier des Geheimdienstes. Kommunisten wurden aus dem Verband für ehemalige politische Häftlinge entfernt, und im Jahr 1951 wurde sogar eine Gedenkfeier für die Widerstandskämpferin Hannie Schaft verboten.

Das Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945 in Groesbeek erzählt diese bewegte Geschichte in seiner faszinierenden Sonderausstellung »Die Kommunisten. Im Widerstand gegen Faschismus und Kapital«, die am 2. Mai eröffnet wurde und noch bis zum 28. Oktober besucht werden kann. Illustriert wird die inhaltliche Darstellung durch zahlreiche Plakate, Zeitungen, Fotos und andere Medien. Der Alltag der illegalen Arbeit wird durch historische Exponate aus den Niederlanden und Deutschland wieder lebendig: Zu sehen ist ein Vervielfältigungsgerät, mit dem De Waarheid gedruckt wurde, aber auch Sabotagewerkzeug, mit dem Züge zum Entgleisen gebracht wurden. Die Verfolgung der Kommunisten wird anhand der beeindruckenden Zeichnungen von Henri Pieck und eines außergewöhnlichen Schachspiels erzählt, das der Widerständler Nico Mourer während seiner Haft aus Brotkrumen angefertigt hat.

Verbunden mit dieser Ausstellung fand am 19. Mai ein Symposium statt, bei dem unter anderem der Zeitzeuge Max van den Berg sprach, der als 14jähriger mit seinen Mitschülern am Dockarbeiterstreik im Februar 1941 teilgenommen hatte. Später arbeitete er bei der Zeitung De Waarheid. Van den Berg ist Mitbegründer des niederländischen Auschwitz-Komitees und am Aufbau des Amsterdamer Widerstandsmuseums beteiligt.

Zu den weiteren Referenten gehörte Rien Dijk­stra, Sohn eines ehemaligen Spanienkämpfers und Vorstandsmitglied der spanischen Stiftung 1936–1939 der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR). Er berichtete über die Erfahrungen der niederländischen Freiwilligen, die im spanischen Krieg gekämpft hatten. Ruud Weijde Field schilderte Begebenheiten aus dem kommunistischen Widerstand in Groningen und würdigte die Unterstützung der Roten Hilfe bei der Aufnahme politischer Flüchtlinge aus Deutschland. Weitere Historiker und Experten berichteten über den antifaschistischen Kampf in verschiedenen Landesteilen sowie die »Aktion CPN«, die deutsche Verhaftungsaktion nach dem Überfall auf die Sowjetunion.

Im Museum in Groesbeek war man von dem großen Interesse an dieser Tagung überrascht. Schon etliche Tage wurde auf dessen Internetseite mitgeteilt, das Symposium sei ausgebucht.

Dr. Ulrich Schneider ist Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (Fédération Internationale des Résistants, FIR).

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