Aus: Ausgabe vom 01.06.2018, Seite 8 / Ansichten

Lügen als Waffe

Der Fake-Mord an Babtschenko

Von Reinhard Lauterbach
RTX66UG5.jpg
Quicklebendiges Mordopfer: Arkadij Babtschenko (rechts) und Geheimdienstchef Wassilij Gritzak am Mittwoch in Kiew

Im russischsprachigen Netz fand sich ein treffender Kommentar zu der unsäglichen Mordinszenierung des ukrainischen Geheimdienstes: Wladimir Putin habe dem ukrainischen Geheimdienstchef Wassili Grizak per Geheimerlass bereits den Titel eines »Helden Russlands« verliehen. Tatsächlich ist die angebliche »Spezialoperation« zunächst einmal nur dazu geeignet, den SBU und die Staatsmacht, die sich diesen Verein hält, bis auf die Knochen zu blamieren. Ein Geheimdienst, der nicht nur Fake News produziert, sondern sich auch noch dazu bekennt, wird sich in jedem Land die Frage gefallen lassen müssen, wofür er sein Geld bekommt.

Geht man aber davon aus, dass die Verantwortlichen für diese Aktion nicht einfach nur Deppen sind, bleibt die Frage nach deren Zweck offen. Den einzig bisher greifbaren Hinweis gibt die Pressereferentin von Generalstaatsanwalt Jurij Luzenko. Sie postete am Mittwoch, man habe bereits eine »Liste der Verratsgeneigten« unter den ukrainischen Journalisten angelegt – jenen nämlich, die an der offiziellen Version zweifelten. Das könnte tatsächlich eines der Ziele der Provokation gewesen sein: Der ukrainischen ­Öffentlichkeit den Fall Babtschenko als einen Gesslerhut hinzustellen, um zu sortieren, wer den offiziellen Unsinn noch akzeptiert und wer nicht. Nächstes Jahr wird gewählt, es wird noch viel gelogen und aus trüben Quellen zitiert werden – da schadet es nicht zu wissen, auf wen die Staatsmacht zählen kann und wen sie besser rechtzeitig aus dem Verkehr zieht. Es muss ja nicht immer gleich ein Mord sein.

Über Arkadij Babtschenko, den »Helden« dieser ganzen Affäre, muss man nicht viele Worte verlieren: ein »Antirusse«, der über die Opfer eines Flugzeugabsturzes ähnlichen Unsinn schwafelt, wie »Antideutsche«, die das Bombardement Dresdens loben. Unter allen normalen Umständen wäre seine Karriere als Journalist mit dieser Nummer so abrupt beendet wie die des Stern-Starreporters Gerd Heidemann, der sich auf die falschen Hitler-Tagebücher einließ. Aber die Umstände sind nicht normal, so wird er sich wohl weiter produzieren dürfen.

Mit Sicherheit dürfen auch die berufsmäßigen Russenfresser in Deutschland ihre Karrieren fortsetzen. Es ist nicht zu erwarten, dass all die Rucks, Reitschusters und Röpckes, die auf die Fake-Nachricht aus Kiew reflexartig ihre »Tränen« hervor- und Wladimir Putin Babtschenkos Blut auf die Finger twitterten, etwas daraus lernen, dass sie einer False-flag-Operation aufgesessen sind. Denn dafür werden sie bezahlt: solchen Operationen publizistischen Rückhalt zu geben. Genau um den aktuellen Reinfall zu kaschieren, werden sie weiterlügen, mit erhöhter Schlagzahl.

Um so wichtiger, so viel Eigenwerbung sei hier erlaubt, dass es eine Zeitung mit dem Anspruch gibt, zu »drucken, wie sie lügen«. Diese Zeitung.

Der richtige Begleiter für den Sommer im Marx-Jahr!

Unser Aktionsabo der gedruckten Ausgabe (62 Euro statt 115,20 Euro): Sechs Tage in der Woche, mit vielen Hintergründen und Analysen, mit thematischen Beilagen und am Wochenende acht Seiten extra. Das Abo endet nach drei Monaten automatisch. Als Zugabe gibt es das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben.


Debatte

Artikel empfehlen:

  • Beitrag von günther d. aus b. (31. Mai 2018 um 19:49 Uhr)

    Am 28.06. habe ich zum Geheimdienstgeschäft in dieser Zeitung einen Beitrag zu“„Zeit zum Ehrlichmachen“ veröffentlicht. Es war mir als Verfasser darum gegangen, zu zeigen in welchem Maße heute die Medien benutzt werden, die Gemeinheiten der Geheimdienste breit unter das Volk zu streuen. Dabei hat sich in den letzten Jahren als wichtigstes Ziel die Russische Föderation unter der Führung eines hervorragenden Politikers, Putin, herausgestellt.

    Nun hat sich, kaum war der Absturz des Flugzeuges erfolgreich wieder aufgewärmt worden, eine neue , ganz hervorragend geeignete Gelegenheit gegeben, den bösen Russen wieder eine „reinzudrehen“.. Dieses Mal ging es wieder um die Mordgelüste der bösen Russen. Hatten sie doch einen Journalisten ermorden lassen. Aber das war nur eine Finte, durch die sich offenbar der Geheimdienst aus Kiew beim übergeordneten Dienst ( CIA) erste Sporen verdienen wollte. Der Ermordete tauchte wieder auf. Keins seiner Härchen war ihm gekrümmt worden. Und sein ( theoretischer ) Mörder wollte eine erklecklich große Zahl der heißbegehrten US- Dollars erhalten haben. Soweit also die Story - neudeutsch Fake. Das aber reichte noch nicht; denn außer diesem Einzelmord sollte – so der ukrainische Geheimdienst – eine ganze Armada erbitterter Gegner Putins zu Grabe getragen werden, alle mit einer Kalaschnikovkugel im Bauch oder einem anderen lebenswichtigen Organ. Und immer einer nach dem anderen . Putin geht aufs Ganze. So sollten wohl die Medien in der westlichen Welt ihren Lesern verkünden. .

  • Beitrag von günther d. aus b. ( 2. Juni 2018 um 17:42 Uhr)

    Zu meinem Beitrag, der weiter unten zu lesen ist, muss ich einen Fehler einräumen. Der von mir dort formulierte Hinweis, dass die ukrainischen Guck und Horch -Spezialisten sich damit ein Bienchen bei ihren Chefs ,der CIA, einloben wollten, ist sehr wahrscheinlich falsch. Dass dieser Geheimdienst sich noch im Stadium der Azubis befindet, ist doch zu offensichtlich. Aber soviel Blödsinn wird sicher von den gestrengen Lehrherren auch unter Berücksichtigung dieses Tatbestandes nicht geduldet und deshalb seine Folgen haben. Aber die notwendigen erzieherischen Maßnahmen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der lauschenden Umwelt verborgen bleiben.

    Nur in der Haut des Verantwortlchen möchte ich nicht stecken; denn so viel Spass sollte eine solche todernst angelegte Aktion nicht hervorrufen. Noch dazu, weil es gegen die bösen Russen gehen sollte.

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Ansichten