Aus: Ausgabe vom 29.05.2018, Seite 2 / Inland

Teure Kinderbetreuung

Studie: Kitabeiträge belasten ärmere Familien überproportional

Kindertagesstaette_i_57257466.jpg
Teure Kitas: Eltern müssen nicht nur Gebühren für die Betreuung ihrer Kinder entrichten. Monatlich kommen auch noch die Kosten für Mittagessen, Hygieneartikel, Bastelmaterial, Ausflüge und vieles mehr hinzu

Zwei zentrale Aussagen hatte die Studie, die am Montag in Gütersloh veröffentlicht wurde. Erstens: Die Qualität der Betreuung von Vorschul- und Kleinkindern lässt zu wünschen übrig, wird durch den quantitativen Ausbau eher schlechter. Zweitens: Die dafür erhobenen Gebühren belasten Eltern mit geringem Einkommen überproportional. Die Bertelsmann-Stiftung, die die Untersuchung vorgelegt hat, schlug eine Freistellung armutsgefährdeter Familien von den Beiträgen vor – und zugleich eher eine Anhebung für alle übrigen zugunsten einer raschen qualitativen Verbesserung der Betreuung. Oberhalb der Armutsrisikogrenze sollten künftig die Beiträge bundesweit einheitlich nach Einkommenshöhe gestaffelt berechnet werden. Denn derzeit gebe es je nach Wohnort und Bundesland extreme Unterschiede.

Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze – also solche, deren verfügbare Mittel bei unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegen – müssen laut Untersuchung einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kinderbetreuung aufbringen wie die übrigen. Sie zahlen dafür im Mittel 118 Euro monatlich und damit zehn Prozent ihres Einkommens. Bei Familien mit über der genannten Grenze liegenden Einkünften sind es demnach 178 Euro bzw. fünf Prozent. Hinzu kommen die Kosten für das Mittagessen, für Hygieneartikel, Ausflüge und vieles mehr – sie liegen im Bundesdurchschnitt bei 45 Euro monatlich.

Für die Untersuchung wurden 10.000 Eltern befragt. Die Angaben der Studie beziehen sich auf die Kosten der Kitabetreuung für das älteste Kind der Familie. Laut Befragung würden 59 Prozent der Eltern mit Einkünften oberhalb und 53 Prozent derer unterhalb der Armutsrisikogrenze für mehr Personal und bessere Ausstattung höhere Beiträge akzeptieren. Die Bundesregierung strebt eine generelle Beitragsfreiheit für die Vorschulbetreuung an, die auch für Besserverdienende gelten würde.

Die Stiftung hat ausgerechnet, dass der Staat für eine Beitragsfreiheit der Kitabetreuung jährlich 5,7 Milliarden Euro aufbringen müsste. Bei gleichzeitigem Qualitätsausbau im erforderlichen Umfang würden demnach jährlich Kosten von mehr als 15 Milliarden Euro entstehen. Vom Bund zugesagt seien aber nur 3,5 Milliarden Euro jährlich für die aktuelle Legislaturperiode. Anspruch und Wirklichkeit klafften mithin »weit auseinander«, kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. (AFP/dpa/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Inland