Aus: Ausgabe vom 23.05.2018, Seite 14 / Feuilleton

Vorschlag

Damit Ihnen das Hören und Sehen nicht vergeht

Saul Ausländer, Sonderkommando-Mitglied im KZ Auschwitz-Birkenau
Saul Ausländer, im Sonderkommando des KZ Auschwitz-Birkenau: »Son of Saul«

Vergessen im Westen

Kein schöner Land: Heute leben nach OECD-Maßstäben über zwölf Millionen Arme in Deutschland. Denkt man an sie, so geht der Blick in den Osten. Doch seit 2005 gilt das nicht mehr. 2006 hat eine Trendwende stattgefunden. In jenem Jahr nahm zum ersten Mal in allen westdeutschen Bundesländern die Armut stärker zu als in den ostdeutschen. Seitdem ist dieser Trend unverändert. Der Film berichtet über die täglich schmerzhafte und verfestigte Armut in drei westdeutschen Kommunen und begleitet drei Menschen, die dem besonders ausgesetzt sind, durch ihren Alltag – eine Alleinerziehende mit Tochter in Köln-Kalk, eine Familie in Duisburg auf dem schmalen Grat zwischen prekärer Arbeit und Hartz IV und jugendliche Migranten ohne Ausbildung in Bremerhaven-Lehe. Und nun die Frage: Wählen die alle links? Und wenn nein, warum nicht? Ohne die geht es nicht voran. Ohne alle geht es nicht voran.

3sat, 21.00

Son of Saul

Auschwitz-Birkenau: Im Herbst 1944 wird Saul Ausländer von den Nazis in ein sogenanntes Sonderkommando gezwungen. Seine Aufgabe ist es, die zur Ermordung vorgesehenen Menschen zu begleiten, sie sich ausziehen zu lassen, sie in die Todeskammern zu schicken – um dann Haare, Schmuck und Goldzähne herauszuholen. Es muss schnell gehen, da andere Konvois von Deportierten schon warten. Als »Belohnung« gewährt die Lagerleitung einen viermonatigen Aufschub der eigenen Vernichtung. Eines Tages beobachtet Saul, wie ein Junge das Gas überlebt, von einem deutschen Arzt eigenhändig getötet und die Leiche zur Obduktion geschickt wird. Saul fühlt, dass dieses Kind sein Sohn sein könnte, und entscheidet, dass er ihm ein rituelles Begräbnis nach der jüdischen Tradition verschaffen will. Preisgekrönter Film. Anschließend Dokumentation. H 2015. Regie: Laszlo Nemes.

Arte, 22.10

Im Rausch der Daten

Der EU-Parlamentarier Jan Philipp Albrecht, Bündnis 90/Die Grünen, und die konservative EU-Kommissarin Viviane Reding bilden eine bemerkenswerte Allianz, wenn es darum geht, die Grundrechte gegen die Gefahren von Big Data und Massenüberwachung zu verteidigen. In einem harten, politisch komplexen Machtapparat, in dem Intrigen, Erfolg und Scheitern nahe beieinanderliegen. Zweieinhalb Jahre hat David Bernet den Prozess der EU-Datenschutzreform begleitet. D/F/NL/FIN 2015.

Das Erste, 22.50


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