Aus: Ausgabe vom 22.05.2018, Seite 5 / Inland

Proteste gegen Bayer und Co.

Demonstrationen weltweit gegen Monopolisierung und deren Folgen in der Landwirtschaft

Von Juliane Dickel
Anti_Monsanto_Aktion_57380162.jpg
In Hamburg beteiligten sich 600 Demonstranten an den Protesten (19. Mai)

Am Samstag gab es in mehr als hundert Städten weltweit Protestaktionen gegen Marktmacht, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen von Agrarkonzernen. Bei der größten deutschen Veranstaltung anlässlich des jährlichen »March Against Monsanto« in Hamburg gingen laut Veranstaltern 600 Aktivisten auf die Straße.

Jacqueline Kardel von machbar e. V. sprach von guter Stimmung. Die Organisatoren hätten es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele über die Problematik gentechnisch veränderter Lebensmittel und Pestizide wie Glyphosat aufzuklären, erklärte sie und stellte klar: »Es kann nicht sein, dass Konzerne wie Monsanto Leben patentieren, die weltweite Nahrungsproduktion kontrollieren und ihren Profitinteressen unterwerfen wollen.«

Bei der Kundgebung in Düsseldorf seien etwa 150 Leute gewesen, berichtete Heinrich Hannen vom Bioland Lammertzhof, der mit zehn Personen und zwei Traktoren gekommen war. Konzerne wie Bayer, Monsanto oder BASF wollten Bauern nur als Kunden, kritisierte der Landwirt: »Weil wir soviel Spritzmittel, Düngemittel und Saatgut kaufen, verdienen andere an der Landwirtschaft – in der Landwirtschaft verdient kaum noch einer.« Hannen und seine Kollegen setzen sich ein für flächendeckende, biologische und vielfältige Landwirtschaft. Anstatt in Konzerne und Supermarktketten solle möglichst viel von der Wertschöpfung wieder in den Hof fließen. In Basel marschierten laut Organisatoren etwa 2.000 Menschen für eine ökologische und faire Landwirtschaft.

Der 2013 in den USA initiierte Marsch richtet sich nicht nur gegen Monsanto, sondern gegen alle Agrar- und Chemieriesen, wie Bayer, BASF, Syngenta, Dupont, Dow, Chemchina. Die Graswurzelbewegung wurde anlässlich einer gescheiterten Gesetzesinitiative zur Kennzeichnung genmanipulierter Nahrungsmittel gegründet. Die Liste der Kritikpunkte ist umfangreich: Monopolisierung von Nahrungsmitteln und Saatgutpatenten, Förderung gentechnisch veränderter Lebensmittel, Verschmutzung der Umwelt, Vertreibung indigener Völker, Abholzung des Regenwaldes und vieles mehr.

Eine wichtige Rolle spielte in diesem Jahr auch die geplante Übernahme von Monsanto durch den Leverkusener Konzern Bayer, die im März dieses Jahres von der EU-Kommission genehmigt wurde und nur noch der Freigabe durch die US-amerikanischen Behörden bedarf. Zwar hat Brüssel Auflagen gemacht. Aber selbst wenn nur Teile der Agrarsparte an BASF verkauft würden, avanciert Bayer damit dennoch zum weltweit größten Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern – wobei Pflanzenschutz den Schutz der eigenen Patente meint.

In Argentinien wurde Monsanto vorgeworfen, dass seine Pestizide für die Missbildung von Kindern verantwortlich sind. Das Unternehmen vertreibt auch Glyphosat, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2015 als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wurde. Das sah die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) allerdings anders. Ende 2017 bestätigte die EU die weitere Zulassung – nicht zuletzt durch einen Alleingang des damaligen CSU-Bundesagrarminister Christian Schmidt.

Eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts Yougov vom Februar, das von dem internationalen Zusammenschluss von Umweltorganisationen »Friends of the Earth« in Auftrag gegeben wurde, hat ermittelt, dass 54 Prozent der Befragten in Deutschland, Frankreich, Spanien, Dänemark und Großbritannien gegen die EU-Fusionsgenehmigung waren, 47 Prozent zeigten sich besorgt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warf der EU-Kommission anlässlich der Genehmigung vor, ein überholtes Landwirtschaftsmodell zu zementieren. Der jetzt schon dramatische Verlust der Artenvielfalt durch die industrialisierte Landwirtschaft drohe, sich weiter zu beschleunigen, befürchtet der BUND, da es bei diesem Agrarmodell um Produktivitätssteigerungen gehe, die Bewirtschaftung immer größerer Flächen, Monokulturen und den Großeinsatz von Pestiziden und Gentechpflanzen. Verstärkt werde lediglich die Monopolisierung bei Saatgut, Gentechnik und Pestiziden.

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Gefährliche Saat Ernährungssicherheit und Gen-Monopole

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Inland