Aus: Ausgabe vom 22.05.2018, Seite 2 / Ausland

Katastrophe am Airport

Kuba trauert um die vielen Opfer des Flugzeugabsturzes von Havanna

Von Peter Steiniger
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Die Passagiermaschine zerschellte auf einem Feld zwischen dem Flughafen Havanna und der Ortschaft Santiago de Las Vegas. Mit 110 Toten war es das schwerste Flugzeugunglück in Kuba seit Jahrzehnten

In Kuba wehten an diesem Wochenende die Fahnen auf Halbmast. Nach dem schweren Flugzeugunglück vom Freitag am Internationalen Flughafen »José Marti« von Havanna hatte die Regierung eine zweitägige Staatstrauer angeordnet. Am 18. Mai mittags um 12.08 Uhr war eine Passagiermaschine des Typs Boeing 737-200 beim Start nahe des Terminals 1 und unweit mehrerer Wohngebäude in ein Feld gestürzt. An Bord des Inlandsfluges DMJ 0972 im Auftrag der staatlichen Linie Cubana de Aviación mit Ziel Holguín im Osten Kubas befanden sich 107 Passagiere sowie die sechsköpfige, aus Mexiko stammende Besatzung. Polizei, Feuerwehr und Rettungsmannschaften waren schnell vor Ort. Auch Anwohner leisteten Hilfe. Von zunächst vier lebend geborgenen Passagieren verstarb einer noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Zustand von drei schwerstverletzten Frauen wurde von den behandelnden Ärzten des Universitätskrankenhauses »Calixto García« in Havanna am Sonntag als »stabil« bezeichnet.

An der Ermittlung der Absturzursache beteiligen sich auch Experten des Flugzeugherstellers. Die Maschine mit dem Baujahr 1979 gehörte der kleinen mexikanischen Linie Global Air (Damojh). Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hatte sich Freitag in Begleitung weiterer hochrangiger Politiker vor Ort selbst ein Bild von der Lage gemacht. Die Behörden sicherten den Hinterbliebenen der 110 Todesopfer größtmögliche Unterstützung zu. Unter den Toten sind auch ein Tourist aus Mexiko, zwei Reisende aus Argentinien sowie zwei aus Westsahara stammende Studenten. Kubas Medien berichten in großer Ausführlichkeit über das tragische Ereignis.

Kubas zivile Luftfahrt erholt sich nur langsam von den Folgen der Krise nach dem Ende der Sowjetunion 1991. Die illegale US-Wirtschaftsblockade wirkt sich auch auf diesen Sektor aus, erschwert den Zugang zu moderner Technologie. In Kooperation mit Russland wird die Cubana-Flotte schrittweise erneuert, auch in die Airports wird investiert. Auf die Anmietung von Flugzeugen ist man jedoch weiter angewiesen. Der Transport von Touristen von Stadt zu Stadt erfolgt vor allem auf dem Landweg. Kuba verfügt hierfür über eine große Zahl moderner chinesischer Yutong-Busse. Der Flughafen der Hauptstadt ist der bedeutendste der zehn internationalen des Landes. Fast jeder zweite Besucher aus dem Ausland gelangt über »José Marti« auf kubanischen Boden.


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